Ein sanfter Wind weht durch unseren Stadtteil. Die Natur fängt an, ihr Herbstkleid anzulegen; viel zu früh in diesem Jahr. Farben, bunt und wunderschön, wohin das Auge auch schaut. Es ist noch nicht Altweiber Sommer. Abends hört man schon den Reiseruf der Rotkehlchen. Ein leises summen und sirren von Insekten ist noch zu vernehmen. Plötzlich sitze ich nicht mehr allein auf der Bank. Eine Heuschrecke beehrt mich mit ihrem Besuch. Sie hat auf meinem Handrücken Platz genommen. Sie ruht sich aus und lauscht, und verhält sich so, als würden wir gemeinsam Zwiesprache halten. In meiner Kindheit gab es viele von ihrer Art. Sie waren großartige Musikanten und Vaganten unserer Wiesen; boten mit ihren weiten Sprüngen ein herrliches Schauspiel mit Tänzen und Sprüngen auf den Grashalmen .Das Exemplar auf meiner Hand ist wie es scheint, ein Männchen, denn es hat kleine Flügel. Sie ist wunderschön und filigran. Heute gibt es kaum noch Wiesen und sie sind bei uns eher seltene Gäste. Eine große Schar Heuschrecken haben sie sich gerade in Italien gesammelt und dort die Felder kahl gefressen. Der Gedanke ist noch nicht einmal zu Ende gedacht, da hüpft mein Gast davon.“Ich wünsche Dir eine gute Reise, Hüpfer“, schicke ich ihm als Gedanken hinterher. Ich habe es nicht bös gemeint; wir Menschen haben Euch den Lebensraum genommen. In der Bibel sind die Heuschrecken eine der sieben Plagen, die Gott geschickt hat, als die Menschheit anfing, andere Götzen anzubeten. Tja, wie sagte schon E. Kästner:“ Die Menschheit wurde nicht gescheit, vor allem nicht die Christenheit, trotz allem Händefalten...“(nachzulesen in: Dem Revolutionär Jesus zum Geburtstag).Wie komme ich nun darauf? Ich war in unserer Innenstadt und habe die Menschen um mich herum beobachtet. Es sieht aus, wie der letzte Tanz auf dem Vulkan. Du liest in ihren Gesichtern, daß Zweifel und Vertrauen Hand in Hand gehen. Seit Beginn des Krisenmodus wurde Vielen ihr Weltbild nach und nach genommen. Bis jetzt ist nichts Schönes nachgefolgt und so weinen sie dem Alten hinterher. Hin und wieder bitte ich die Götter, unserem System schnell ein Ende zu bereiten, der einen ehrlichen Neuanfang möglich macht, daß auch Jugendlichen wieder Perspektiven entwickeln können. Mein Wunsch für die Zukunft:“ Sich im Menschsein aufrichtig, gemeinsam stärken. Sich der Frage stellen; auf welcher Basis wollen wir miteinander leben, ohne Andere zu bedrohen?“Die Entmenschlichung unserer Sprache befremdet mich. Vielleicht tanzen wir und kommunizieren in Zukunft über Musik? Hören wir auf und unsere Natur zu missbrauchen, damit sie uns weiter nährt und trägt?“Jeder Einzelne hat Gaben und Talente als Geschenk erhalten, nutzt sie. Schaltet den Fernseher aus, bildet Euch und fangt an frei zu denken. Ich weiß auch keine Lösung für unser Zeitgeschehen. Ein Paradies für alle Lebewesen auf dieser wunderbaren Erde, können wir nur gemeinsam schaffen, auch wenn wir den Weg dahin noch nicht sehen können. Bis dahin werde ich sicherlich noch öfters Menschen sehen, die aus Mülleimern an der Bushaltestelle weggeworfene Bäckertüten heraus sammeln, um den Inhalt sofort hungrig zu verspeisen. Unter Druck kann leider nichts Gutes entstehen. Eine starke Gemeinschaft kann vieles bewirken.
Hamburg Dulsberg im August 2022
Um in meiner Mitte zu bleiben, verbringe ich viel Zeit unter freiem Himmel. Ich mag den Geruch des Waldes nach Holz und Erde und Moos. Ich mag diese Momente, die man nicht immer bemerkt, die aber alles schöner machen(Dumont).