Montag, 8. Februar 2021

 

Weihnachten 2020 –Ausklang des Jahres

Ich stehe am Spülbecken und sehe meine Nachbarn von ihren Familienbesuchen heimkehren. Sie sind beladen mit Wäschekörben voll von Geschenken. In mir keimt die Frage auf:“ Was hat das mit dem Stall in Betlehem zu tun? Hat Gott das so gewollt?“ Wir feiern jedes Jahr die Ankunft des Lichtes. Kaum einem Menschen ist das noch bewusst. „Sind wir wirklich nur auf der Erde, um zu arbeiten und dann zu sterben? Warum bin ich hier, wie gehe ich meinen Weg? Was ist meine Aufgabe? Die Vorweihnachtszeit ist bei den meisten eine Zeit angefüllt durch Getrieben sein, der Jagd nach Geschenken, gutem Essen…Sie ist selten eine Zeit der Besinnlichkeit. Ohne Prüfung und Abwägung begehen die Menschen das Weihnachtsfest auf dem Weg, den ihnen die Kirche und ihr Umfeld gepflastert haben. Wir bezahlen mit unseren Steuern dafür, daß wir unser Denken und Handeln seit Jahrhunderten an der Kirchenpforte abgegeben dürfen. Wie können wir sicher sein, daß die sogenannten Vertreter Gotte auf Erden sein Wort auf die von ihm gemeinte Weise richtig wiedergeben? Oft wissen wir Menschen alles besser und stellen uns über seine Worte, seine Schöpfung, mit der wir liederlich umgehen. Wir sind überheblich geworden, mit welchem Recht? Gibt es an einfachen Worten etwas zu verbessern? Die Kirchen sind nur zu den hohen Festtagen gefüllt, den Rest des Jahres oftmals leer. Kaum einer fragt, warum das so ist. Eine Erklärung für mich: Glauben ohne zu begreifen ist Trägheit, eine Denkfaulheit. Wo ist der Mensch, der ehrlich sagen kann, daß sein Glaube zur Überzeugung wurde? Wer ernsthaft in sich geht, muss es verneinen. Was viele fühlen, ist die Sehnsucht nach einem göttlichen Funken. Glauben ist Überzeugung und erfordert Lebendigkeit und Leben. Er ist auch eine immerwährende Prüfung. Was wir in der Krippe im Stall gefunden haben ist der Sieg des Geistes über den Verstand, die reine Liebe. Aber was der Mensch nicht erlebt, wird ihm nicht zu eigen. Nur das Eigene lässt ihn wachsen. Der Vorzug des Denkvermögens bringt den Menschen zum Prüfen, dazu passt kein blinder Glaube. Das, was du mit klarem Geist denkst und tust, dient zum nächsten Wohle aller. Mit deinem Wesen deinem Nächsten geben, gemeint ist durch deine Art, weniger mit Geld und Gut, sonst würden die Mittellosen der Möglichkeit des Gebens beraubt. Im Wesen des Sich geben, im Umgang mit dem Nächsten in der Rücksicht und der Achtung, die du ihnen freiwillig bietest, liegt das Lieben, das uns unser Glaube lehrt, die Hilfe, damit er stark werden kann. Werde geistig frei und sprenge alle Bande, die dich hindern. Die Kraft des Wollens ist das Ich zum Licht. Greife nach der besten Stütze, die es gibt, der Liebe. Sie ist die Verdichtung des Geistes. In den letzten Jahrzehnten habe ich immer versucht, mir zugewandte Menschen durch Gespräche und Handeln dafür zu gewinnen, Gutes zu tun. Zu oft hat es dazu beigetragen, die Wichtigkeit dieser Menschen zu steigern. Viele hat es in den Wahn versetzt, daß sie gebeten werden müsse, Gutes zu wollen. Diese Gruppe ist genug gesättigt in dem Bewusstsein ihres eigenen Werts. Dann gibt es noch die Gruppe er Menschen, die vorgibt wahrhaftig zu suchen; in ihrer inneren Demutshaltung. Auch sie haben nicht verstanden, daß ihre Erwartungshaltung eine Forderung ist. All diese Menschen tragen dazu bei, daß die Starken und Wachen müde werden und kraftlos. Es ist einfach etwas zu verändern, wenn Du es aus dem Herzen heraus willst. Gehe und handle danach. 

Vor mir auf meinem Schreibtisch steht ein getöpfertes Blatt, bemalt in rot, gelb und grün, mit einem Teelicht in der Mitte. Es kam am Tag vor dem Heiligen Abend zu mir. Geschenkt von einem 8 jährigen Kind aus unserem Projekt für Kinder, daß ich mit einigen Nachbarn in meinem Stadtteil gestalte. Er stand vom Regen durchnässt, seine sorgfältig eingepackten Gaben waren vom Regen durchweicht, vor meiner Tür.“Mama hat nur beim Ausrollen geholfen“. Es war sein Dank an uns für gemeinsame, aufregende und schöne Stunden. Sein Geschenk für uns barg auch seine bange Frage:“ Wann ist Corona vorbei und wann treffen wir uns wieder? Seine Augen spiegelten mir seine Gemütslage wieder: „Ich weiß auch nicht, wann das blöde Corona vorbei ist, aber wir vergessen Dich nicht, wenn wir wieder dürfen“ .Die Zusage gab ich ihm mit auf seinen Heimweg. Eine ihm weiter wichtige Frage musste er noch loswerden:“ Bekommst Du auch Geschenke? “Ich konnte ihm antworten, daß ich meines schon erhalten habe und ich glücklich wäre. Er schenkte uns seine ganze Liebe, alle anderen bekommen nur ein Geschenk.

Entstanden in Hamburg-Dulsberg, Weihnachten 2020 Danke kleiner Engel für Deine Erinnerung.



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