Donnerstag, 21. Juli 2022

Innehalten

 


Oh, wie sehr habe ich die Nacht unter freiem Himmel genossen. Die Hitze des Tages hat die Stadt verstummen  lassen, nicht einmal ein Tierlaut ist zu vernehmen. Es ist, als hätte die Zeit einen Moment nur  für mich angehalten. Ein leiser Wind streichelt zärtlich über meine Haut und erfrischt  mich. Ganz sacht bewegen sich die Wipfel der Bäume und Sterne funkeln am Firmament. Ich fühle mich verbunden mit unserer Erde;die Augen in den Himmel gerichtet, aber festen, trockenen Boden unter meinen Füßen. Ich wünsche, ich könnte die Erhabenheit des Augenblickes bewahren, um lange davon zu zehren. In diesem Moment spüre ich, wie sich dieses zauberhafte Bild wie ein Mantel in meine Seele legt. Ich bin im Frieden mit mir und bin unendlich dankbar, für die Schönheit des Augenblickes.

 

Hamburg Dulsberg, im Juli 2022

Ich wünsche jedem in meinem Stadtteil das Glücksgefühl, welches ich gerade empfinde. Es fühlt sich an wie Medizin, für die oftmals ruppige Zeit, die wir gerade erleben.

Mittwoch, 20. Juli 2022

Resilienz

 

Nein, ich bin nicht depressiv. Die Zeiten in denen wir gerade leben machen mich nur hin und wieder unendlich müde. Ich mag mich im Gezeitenkrieg nur nicht wie ein Objekt, auf dem großen Schachbrett unserer Welt hin und her schieben lassen. Ich gestatte es mir, mich so zu fühlen, um meine Mitte wieder zu finden. Den Erwartungshaltungen, die einem Objekt entgegengebracht werden, kann ich nicht entsprechen. Seit Jahrzehnten setze ich mich für ein liebevolles und friedliches Miteinander ein, ebenso für unsere Tiere und die Natur. Ich bewundere den Mut der Gruppe „Letzte Generation“, die sich auf Straßen und an Gebäude kleben. Man mag von diesen Aktionen halten, was man möchte. Über die Verzweiflung dieser jungen Menschen wird nicht berichtet. Ich lese fernab von allen Mainstream Medien, daß sie sich nicht gehört fühlen. Seit den siebziger Jahren habe ich für meine Werte demonstriert. Es hat nicht viel gebracht. Seit dieser Zeit höre ich den Slogan: „Es ist fünf vor zwölf“. Es ist ihre Welt, um die sie sich sorgen. Ich tröste mich, wenn meine Generation nicht demonstriert hätte, stünde es eventuell viel schlechter. Brauchen wir Krisen, um uns den unangenehmen Dingen zu stellen? Um das Gleichgewicht für Natur und Mensch wieder herzustellen, bedarf es Zeit. Schaffen wir es, zusammen zu rücken und gemeinsam nach Lösungen zu suchen? Wie bauen wir Brücken für die Zukunft? Habe ich mich von meinem Ausflug in die Stadt erholt, spüre ich, wie meine Flügel wieder wachsen und stärker werden. Ich fühle mich wieder frei und den Mensch den ich brauche, um im Vertrauen zu  bleiben, ist in mir. Im Mangel haben wir Menschen lange genug verharrt. Es ist Zeit für Fülle, liebevollem Miteinander und ein angstfreies Leben.

Hamburg Dulsberg im Juli 2022-

Eine Nachricht von Bjarne:“Die Zeit geht nicht spurlos an mir vorüber; ich aber auch nicht an ihr….

Danke für Deine lieben Worte

Sommer in der Stadt

Heute habe ich mich nötigen lassen, damit ich meinen rechtmäßig erworbenen Führerschein nicht verliere. Ich habe einen Termin in einem Kundenzentrum unserer Stadtverwaltung für einen Umtausch, weil die EU beschlossen hat, daß mein „Grauer“ seine Gültigkeit verliert. So bin ich nach zehn Jahren einmal wieder in die Spitaler Straße gekommen. Ich gebe zu, ich habe sie nicht vermisst. Die Masse an Menschen, di mit Tüten beladen aus den Geschäften strömen, verursacht in mir Fluchtgedanken und ich überlege, ob mir mein Führerschein tatsächlich so viel wert ist, da ich eh kein Auto besitze. Unter einem Baum finde ich noch ein freies Plätzchen auf der Bank. Ich möchte mich ein wenig sammeln. Die Menschen sind auch beim Einkaufen so in Eile, als wäre Zeit Geld. Wäre ihnen bewusst, daß Zeit Gnade ist, würden sie vielleicht auch glücklicher aussehen. Auch erhalte ich einen Einblick in die Mode unserer Zeit, deren Richtung vollkommen an mir vorbei gegangen ist. In meinen Kinderjahren  wäre ich mit dieser Art von „Kleidern“ ins Bett gegangen. Ich muss schmunzeln. Höchstwahrscheinlich tragen die Damen der horizontalen Gewerbes auf St. Pauli mittlerweile das „kleine Schwarze“ Für Männer hat sich in der Mode nicht geändert. Es gibt sie immer noch, die vollgestopften Hosentaschen und das „Maurer Dekolleté“. In der Mitte der Straße sitzt ein Bettler mit seinem Hund. Vor ihnen ein Schild mit der Bitte um fünfzig Cent für eine Mahlzeit. Selten landet eine Münze in seinem Topf. Dafür legen Menschen ihm ihre Pfandflaschen auf die Decke. Dieses Verhalten befremdet mich. Ich möchte nach Hause und habe jetzt schon von dieser Welt genug. Warum  schafft es keiner dieser Pfandflaschen Ableger, diese Flasche selber abzugeben und dem Mann das Geld dann in den Topf zu legen, oder eine Flasche Wasser zu kaufen. Menschenverachtender Umgang; es passt in diese Zeit, die von toxischem Umgang miteinander geprägt ist. Es fängt bei unseren gewählten Regierenden an und setzt sich quer durch unsere Gesellschaft fort. Ich bin zu einem denkenden Wesen erzogen worden. Es verstimmt mich, daß viele Leute nicht über ihr Verhalten nachdenken. Sie haben Kopf und Hirn erhalten zum Nachdenken erhalten und nicht, damit es nicht in den Hals hineinregnet. Meine liebsten Gesprächspartner aus der spirituellen Szene erzählen davon, daß wir in die Liebe gehen. Wie soll das gehen, denn Gott, wie auch immer er heißen mag für Dich, legt den Schalter nicht für uns um. Die Verantwortung für ein liebevolles Miteinander darf durch die Menschen  kommen. Die Innenstadt tut mir nicht gut.

 Endlich ist es soweit. Ich erhalte Einlass zu meinem Termin in die Behörde. Der Sachbearbeiter ist humorvoll. Ich habe mich gut vorbereitet und lege verschämt die neuen biometrischen Fotos hin. Diese Fotos sehen aus, wie ein Fahndungsfoto der Polizei. Es tröstet mich auch wenig, daß diese Art Bilder niemanden apart aussehen lässt. Dann kommt der nächste Schock:“31,50 Euro!“Wartezeit bis zu sieben Monate! In Schleswig-Holstein, dort, wo ich mir ein Datenblatt der ausstellenden Führerscheinstelle hätte mich die Express Version 24,50 Euro gekostet und ich hätte nur zwei Monat warten müssen. Ich wohne in Hamburg, hier sind wir schon seit Jahren anders, als andere Kinder unseres Landes. Für Rentner gibt es keinen Sondertarif. Schockschwerenot! Verstört trete ich meinen Heimweg an, Kirchenaustritt: 21 Euro, Paragraph 5 Schein für eine Sozial Wohnung 15 Euro. Erschöpft und pleite ergattere ich eine Platz in der U Bahn auf dem Weg nach Hause. Mein Gegenüber holt aus seiner großen Handtasche einen kleinen Ventilator und hält ihn in meine Richtung und stöhnt dabei über die Hitzewelle. Ich bemerke:“Früher hieß das Sommer“.

Hamburg Dulsberg im Juli 2022

Ich bin glücklich, daß ich die Tür hinter mir verschließen kann. Für heute habe ich genug.Diese Zeit geht auch nicht spurlos an mir vorrüber.