Montag, 29. Mai 2023

Erdbeerzeit

 

Mit Ungeduld erwartet, aber endlich ist er da, der Sommer. Die Sonne wärmt meine Knochen, blauer Himmel, und die Erdbeeren sind reif! Mal gucken, wo ich heute Beeren pflücken kann. Landwirte können ihre Hände nicht in ihren Schoß legen. So werde ich trotz des Pfingstfestes mein Glück versuchen. Während meiner Erkundungstour am Stadtrand freue ich mich über Beete, die üppig bis auf den Weg fallen, um mich an der Pracht der Farben und den Düfte der Natur, teilhaben lassen. Mein ehemaliger Garten ist das, was ich vermisse und die Möglichkeiten die er mir geboten hat, seit dem ich der Arbeit wegen vom Land in die Stadt gezogen bin. Kastanie und Flieder sind schon am verblühen. Die Eisdielen haben geöffnet; die Schafskälte ist noch da. In diesem Jahr sehe ich weniger Eichhörnchen, registriere aber mehr Singvögel. Leise hege ich die Hoffnung, dass auch die Schmetterlinge wieder kommen. Ich vermisse ihre Leichtigkeit. Ein ganz normaler Sommer und nur noch drei Wochen bis Mittsommer. Alle meine Sinne sammeln bereits für die dunkle Jahreszeit. So freue ich mich auf die selbst gepflückten Erdbeeren, in der Sonne gereift. Es gibt so unendlich viele Sorten. Meine liebste ist die Sorte Malwine. In ihr vereinen sich die gesamte Kraft und der Geschmack des Sommers. Es ist eine späte Sorte und zeigt mir das Nahen des Herbstes an. Um die Zeit bis zur neuen Ernte zu überbrücken, koche ich mir ein paar Gläser dieser Kostbarkeiten ein; Sommer im Glas und ich hüte sie, wie einen Schatz!  

Sonntag, 28. Mai 2023

Camping

 

Unter dem Schild Abfahrt Ratzeburg/Mölln entdecke ich drei Menschen. Um sie herum steht ein Haufen an Gepäck: Rollkoffer, Rucksäcke und große Plastikbeutel. Sie bemerken, dass ich sie anlache. „Geordneter Rückzug sieht für mich anders aus“ rufe ich ihnen zu. So werde ich auf ein Bier und Klönschnack eingeladen. Eine lustige Gruppe. Sie erklären, sie hätten alles für einen spontanen Campingausflug in ihre Taschen geworfen, voller Hoffnung, dass sie alles dabei haben würden. Ein nettes Gespräch. Ich bin Minimalist. So viel Gepäck hätte ich nicht einmal für vier Wochen dabei gehabt. Für eine Woche Madrid mit meinen Freundinnen hat mir eine Schultertasche gereicht. Für meinen letzten Ausflug in meinen Lieblingswald nach Schleswig-Holstein, hat ein kleiner Rucksack genügt. Eine Flasche Wasser, ein Apfel, Taschenmesser und Zunder; alles andere finde ich im Wald.

Mein letzter Ausflug ist schon drei Jahre her. Ich habe ihn sehr genossen. Den Frieden und die tiefe Erholung, die mir diese Zeit geschenkt haben, ist und bleibt mir in Erinnerung. Essbares gibt es genug im Wald, aus Moos und Blättern war mein Bett am Rande einer kleinen Lichtung. Schutz bekam ich durch die Wipfel der Bäume mit Blick auf den Sternenhimmel. Gebadet habe ich in einem kleinen Waldsee. Heute würden mir meine Knochen diese harte Lagerstatt übel nehmen, so spare ich auf eine Hängematte. Ich muss mal wieder heraus aus der Stadt, auftanken. Mein Gepäck, das mir auf Schultern und im Nacken gesessen hat, blieb im Wald.

Es gibt auch schöne Nachrichten!

 


Was ist das für ein Radau vor meinem Fenster? Gefühlt brüllen die Amseln; leider ist diese Art von Gesang der, der Gewitter ankündigt. Weitere Vogelstimmen fallen mit ein. Ich riskiere ein Auge Richtung Uhr, denn die Krawallmacher geben keine Ruhe. Heute ist Sonntag, 4.15h.Ich schlüpfe aus dem Bett und gehe ans Fenster. Es ist ein Meisen Paar, wohl im Ehestreit. Der Himmel sieht noch nicht nach Gewitter aus. Es scheint ein schöner Tag zu werden.

Während meiner ersten Tasse Kaffee sinne ich darüber nach, welche schönen Nachrichten es in der vergangenen Woche gegeben hat. Erfreut hat mich, dass Forscher die Stadt Rungholt gefunden haben. Das Gedicht von D. v. Liliencron über Rungholt “Trutz Blanke Hans“ kenne ich seit meiner Schulzeit. Ich habe noch gelernt, es handelt sich u eine Sage. Ich hege die Hoffnung, dass die aufgefundenen Artefakte und Erkenntnisse der Wissenschaft bald zur Verfügung stehen.

 Eine weitere schöne Erinnerung ist ein Gespräch zwischen drei Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, welches mit einer Umarmung geendet hat.

Bei meiner zweiten Tasse Kaffee und dem Stichwort „Umarmung“ fällt mir unser Bundeskanzler ein. Ein Bürger hat sich neugierig in die Fahrzeugkolonne des Bundeskanzlers eingereiht und kam durch. Ich stelle ihn mir huldvoll winkend, nach links und rechts vor Niemand hat ihn aufgehalten und so hat er in einer wohlmeinenden, menschlichen und liebevollen Geste unserem Kanzler eine Umarmung geschenkt. Ich denke mir, er wollte trösten, bezieht unser Kanzler doch sonst meist nur Schelte. Ein wenig erinnert es mich an die Geschichte von Forrest Gump; mal sehen, wie weit ich komme…

Da fällt mir doch gleich noch Matthias Rust ein, ein Pilot, der zu einem Rundflug über die Nordsee gestartet ist und auf dem Roten Platz in Moskau gelandet ist; ich glaube, es war 1987. Eine schöne Geschichte. Mein Kaffee ist getrunken. Ich danke den Gefiederten für ihren Weckruf und mache mich auf in den Stadtpark. Um diese Uhrzeit habe ich Schönheit und Stille noch für mich allein. Mein Geschenk an mich. Bevor Hamburg erwacht, bin ich wieder zu Hause.

Donnerstag, 18. Mai 2023

Mairauschen

 


Vor meinem Fenster tanzen die Zweige der Linden, angeregt durch den Ostwind, der durch die Fluchten der Straßen weht. Meine Fensterscheibe ist bedeckt vom Blütenstaub der Linden, die er auf meine Scheiben geweht hat. Das Sonnenlicht bricht sich in den Scheiben und zeichnet mit dem Blütenstaub Bilder. 

Gelegentlich funkeln sie, wenn ein Sonnenstrahl sich in dem Blütenstaub verfängt. Die Bilder auf meiner Fensterscheibe malen die Geschichte vom Tanz des Lebens, von Werden und Vergehen; gelegentlich schwermütig, kapriziös und federleicht. Duft von Lindenblüten und Flieder weht herein, erfrischt durch einen leise rauschenden Regen. Es sind grüngelbe Gedanken, die fliegen. In einer Wolke  gehaucht in zartem violett. 

Gedanken, die erfrischen und nicht knechten. Eine wunderschöner Tanz, der zeigt, es ist nicht wichtig, wie du tanzt, wichtig ist es, es zu versuchen.

Montag, 15. Mai 2023

Übel und Gefährlich

 

Nein, ich war nicht in Hamburg unterwegs. Ich schaffe gerade Ordnung. In meinen Händen halte ich gerade den gesicherten Chatverlauf einer Nachbarschafts App in den Händen. Auf der Plattform habe ich einen Hinweis auf Friday for Global Peace veröffentlicht. Dieser Schriftwechsel lässt noch einmal mein Unverständnis hochkommen. Ich wurde gefragt, wer der Veranstalter sei. Meine Antwort:“Demo Hamburg“. Als Anwort erreichte mich ein aus dem Netz kopierte Bericht von t-online. Mein Antwort war adäquat und höflich, verbunden mit der Bitte, um ein persönliches Gespräch und dem Hinweis, gerade diese Plattform einfach mal differenzierter zu betrachten. Letztendlich kam die Antwort, sie würde ihre Zeit nicht für Reichsbürger verschwenden. Der Hinweis, dass Gerichte eindeutig bewiesen haben, dass dem nicht so sei, wurde abgetan. Nun frage ich mich, ob es aufgrund des Schriftverkehrs zwischen Nachbarn ein Missverständnis ist, aufgrund fehlender Umgangsformen und Kenntnis der deutschen Sprache, oder ob die Möglichkeit besteht, dass sie zu der Gruppe gehört, die dem Moderator aufwendig gedrehte Nachrichten, in denen Drohungen ausgesprochen wurden, gehört. „Es ist leichter, Menschen zu täuschen, als sie davon zu überzeugen, dass sie getäuscht wurden, schrieb schon Mark Twain. Seltsamerweise darf dieser unglaublich gefährliche, böse Mensch weiter Demos veranstalten. Das Ganze ohne jeglichen Polizeischutz. Es steht kein einziges Polizeiauto dort; kontrolliert werden durch die Polizei lediglich die Genehmigungen. Tja, da sind sie, die „gutmenschelden Heckenschützen“ im Netz. Feige und anonym, unerkannt vom Sofa aus, Menschen verachtend handeln! Gerade diese seltsame „Spezies“, die sich schneller, als jeglicher Virus ausbreitet; sich anmaßt zu entscheiden was ich zu denken und wie ich zu handeln habe, verursachen in mir Brechreiz und Fluchttendenzen. Sie sorgen für sozialen Unfrieden. Mir reicht es schon, dass die Regierung versucht in mein Leben hinein zu regieren. Als fossiler Dinosaurier von einem Politiker beschimpft; als Souverän bin ich politisch heimatlos geworden. Mich halten sie als Ureinwohner für zu dumm, kommen, um zu missionieren. So ist mir bewusst, dass ich  nur für den globalen Frieden in der Welt, Flagge zeigen kann. Zu kommenden Wahlen fällt mir ein, auf das letzte Wahlprogramm schauen, um zu sehen, was wurde davon umgesetzt. Für ein menschlicheres Miteinander bedarf es, wie es scheint, der Magie. „Also los Frodo! Beeile dich auf den Weg nach Mordor.“Werfe endlich diesen verdammten Ring ins Feuer(abgewandelt aus Tolkien´ s Herr der Ringe“)

Donnerstag, 11. Mai 2023

Der 10. Mai

 


Im Internet lese ich, der heutige Tag. Der 10. Mai ist der Europa Tag. Beim Überqueren des Wandsbeker Marktplatzes entdecke ich ein Plakat, auf dem für eine Veranstaltung geworben wird.

„Lesung von Texten der Autoren, die vor neunzig Jahren verbrannt worden sind. Wir lesen dort, wo damals, wie heute, Nazis gelebt haben, um nicht zu vergessen.“

Tucholsky, H. Mann, H. Heine, Remarque und E. Kästner kommen mir sofort in den Sinn. Es gibt knapp hundert Schriftsteller, deren Bücher am 10.Mai während des Nazi Regimes verbrannt worden sind.

Gleichzeitig entsteht in mir die Erinnerung zu Beginn des Ukraine/Russland Krieges: „Mein Sohn und ich liegend uns weinend in den Armen.“Er fragt mich unter Tränen:“Mama, warum lernen die Menschen nichts aus der Geschichte?“Seine Frage mochte ich damals nicht beantworten. Unser Kummer wog schon schwer genug.

Die letzten Jahre haben mir gezeigt, dass die Daten des Zweiten Weltkrieges bekannt sind, aber nicht die Zeit vor Beginn des Krieges .In Erinnerung sind sie als die „Goldenen Zwanziger Jahre“. Sie waren „golden“ durch den Wirtschaftsaufschwung nach dem ersten Weltkrieg. Der Aufschwung funktionierte, bis zum Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929. Deutschland geriet durch Entschädigungsleistungen und Kredite in wirtschaftliche Schieflage, Inflation. Der Aufstieg der NSDAP liegt in dieser Zeit. Falsche Meinungen wurden zensiert und hatten soziale Konsequenzen. Für mich ist dieser Zeitgeist von damals heute erschreckend lebendig! Warum ich diese Zeit mit meinem „Jetzt“ in Verbindung bringe?  Auch damals fehlte es an Protest. Das sind meine Erinnerungen an den Geschichtsunterricht in der Realschule.

In mir steigen Tränen auf. Ich gehe besser nach Hause. Mir ist bewusst, wenn mich jemand fragt, würde meine Antwort auf Unverständnis stoßen. Ich weine ja nicht wegen des Klimas.Ich stelle mir die Frage, macht es Sinn Anderen die Augen zu öffnern, wenn es ihr Herz nicht erreicht?