Donnerstag, 11. Mai 2023

Der 10. Mai

 


Im Internet lese ich, der heutige Tag. Der 10. Mai ist der Europa Tag. Beim Überqueren des Wandsbeker Marktplatzes entdecke ich ein Plakat, auf dem für eine Veranstaltung geworben wird.

„Lesung von Texten der Autoren, die vor neunzig Jahren verbrannt worden sind. Wir lesen dort, wo damals, wie heute, Nazis gelebt haben, um nicht zu vergessen.“

Tucholsky, H. Mann, H. Heine, Remarque und E. Kästner kommen mir sofort in den Sinn. Es gibt knapp hundert Schriftsteller, deren Bücher am 10.Mai während des Nazi Regimes verbrannt worden sind.

Gleichzeitig entsteht in mir die Erinnerung zu Beginn des Ukraine/Russland Krieges: „Mein Sohn und ich liegend uns weinend in den Armen.“Er fragt mich unter Tränen:“Mama, warum lernen die Menschen nichts aus der Geschichte?“Seine Frage mochte ich damals nicht beantworten. Unser Kummer wog schon schwer genug.

Die letzten Jahre haben mir gezeigt, dass die Daten des Zweiten Weltkrieges bekannt sind, aber nicht die Zeit vor Beginn des Krieges .In Erinnerung sind sie als die „Goldenen Zwanziger Jahre“. Sie waren „golden“ durch den Wirtschaftsaufschwung nach dem ersten Weltkrieg. Der Aufschwung funktionierte, bis zum Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929. Deutschland geriet durch Entschädigungsleistungen und Kredite in wirtschaftliche Schieflage, Inflation. Der Aufstieg der NSDAP liegt in dieser Zeit. Falsche Meinungen wurden zensiert und hatten soziale Konsequenzen. Für mich ist dieser Zeitgeist von damals heute erschreckend lebendig! Warum ich diese Zeit mit meinem „Jetzt“ in Verbindung bringe?  Auch damals fehlte es an Protest. Das sind meine Erinnerungen an den Geschichtsunterricht in der Realschule.

In mir steigen Tränen auf. Ich gehe besser nach Hause. Mir ist bewusst, wenn mich jemand fragt, würde meine Antwort auf Unverständnis stoßen. Ich weine ja nicht wegen des Klimas.Ich stelle mir die Frage, macht es Sinn Anderen die Augen zu öffnern, wenn es ihr Herz nicht erreicht?

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