Sonntag, 28. Mai 2023

Camping

 

Unter dem Schild Abfahrt Ratzeburg/Mölln entdecke ich drei Menschen. Um sie herum steht ein Haufen an Gepäck: Rollkoffer, Rucksäcke und große Plastikbeutel. Sie bemerken, dass ich sie anlache. „Geordneter Rückzug sieht für mich anders aus“ rufe ich ihnen zu. So werde ich auf ein Bier und Klönschnack eingeladen. Eine lustige Gruppe. Sie erklären, sie hätten alles für einen spontanen Campingausflug in ihre Taschen geworfen, voller Hoffnung, dass sie alles dabei haben würden. Ein nettes Gespräch. Ich bin Minimalist. So viel Gepäck hätte ich nicht einmal für vier Wochen dabei gehabt. Für eine Woche Madrid mit meinen Freundinnen hat mir eine Schultertasche gereicht. Für meinen letzten Ausflug in meinen Lieblingswald nach Schleswig-Holstein, hat ein kleiner Rucksack genügt. Eine Flasche Wasser, ein Apfel, Taschenmesser und Zunder; alles andere finde ich im Wald.

Mein letzter Ausflug ist schon drei Jahre her. Ich habe ihn sehr genossen. Den Frieden und die tiefe Erholung, die mir diese Zeit geschenkt haben, ist und bleibt mir in Erinnerung. Essbares gibt es genug im Wald, aus Moos und Blättern war mein Bett am Rande einer kleinen Lichtung. Schutz bekam ich durch die Wipfel der Bäume mit Blick auf den Sternenhimmel. Gebadet habe ich in einem kleinen Waldsee. Heute würden mir meine Knochen diese harte Lagerstatt übel nehmen, so spare ich auf eine Hängematte. Ich muss mal wieder heraus aus der Stadt, auftanken. Mein Gepäck, das mir auf Schultern und im Nacken gesessen hat, blieb im Wald.

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