Dienstag, 29. April 2025

Ausflug ins Alte Land

 

Wir haben Glück. Es ist das letzte Septemberwochenende, als wir geplant ins Alte Land starten. Es ist noch warm und die Sonne scheint. Leo lenkt mutig das geborgte Auto durch unglaublich viele Baustellen. Die Fahrt durch den Hamburger Hafen ist beeindruckend. In diesem Areal hat ganz Monaco Platz. Wir nähern uns dem Alten Land. In der Ferne leuchten schon die Äpfel und Birnen an den Bäumen im Sonnenlicht. Heute ist einer der letzten warmen Tage. Einmal mit dem Auto durch Hamburg durch ist für Leo sehr anstrengend, reiht sich doch eine Baustelle nach der andren, fürchterlich. Wir haben einen Plan und landen am ersten Apfelhof mit Hofladen und Café. Vor dem Gebäude stehen Körbe und Kisten mit Gemüse und Obst, appetitlich angerichtet. Wir sind im Kaufrausch. Schnell ist die erste Hälfte des Kofferraumes voll von Gemüse und Obst, darunter befindet auch auch eine Steckrübe, frisch vom Feld. An ihr hängen noch ein paar Erdkrumen und sie duftet nach Herbst. Überwältigt von unserem Einkauf gehen wir erst einmal frühstücken. Wir sitzen draußen im Hof, über unseren Köpfen wachsen Kiwis. Es ist ein schönes Café und es ist friedlich. Kinder, die mit ihren Eltern frühstücken spielen friedlich und turnen am Treppengeländer. Ich genieße warmes Schwarzbrot mit frischem Schmalz. Das habe ich schon jahrzehntelang nicht mehr gegessen, einfach lecker. Es ist ruhig hier im Alten Land. Seit Stunden keine einzige Sirene. Nach dem leckeren Frühstück ziehen wir weiter. Beim nächsten Apfelhof finden wir die Apfelsorte, die unser Herz begehrt und kaufen das gepflückte Obst. Ich finde die Birnensorte, die in Oma´ s Garten gestanden hat. Ein paar Kilos davon müssen auch mit. Die Menschen haben ausgeschlafen. Immer mehr Familien sind mit Apfelpflückern und Körben ziehen in die Apfelreihen. Normale Kinder, die nicht schreien oder kreischen; echte Ausflüge und Kinder, die sich auf die Apfelernte freuen. Ich merke, dass ich geschädigt durch die Großstadt bin. Ich habe meine Schuhe ausgezogen und laufe barfuß durch die Apfelhaine. Mich erfreuen die Blühstreifen mit Kräutern, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Vor vierzig Jahren bin ich als Kräutersammlerin unterwegs gewesen. Ich schlage mir innerlich auf die Finger und pflücke nichts, denn die Bienen sind noch auf Nahrungssuche. Stimmt, mindestens ein Glas Honig muss auch noch mit. Im nächsten größeren Ort finden wir auch den Landschlachter, nach dem wir Ausschau gehalten haben. Auf einem weiteren zauberhaften Hof erstehen wir noch Eier und Honig und trinken frisch gepressten Apfelsaft. Eigentlich haben wir alles ;eigentlich ist auch kein Hauptwort. Die Ruhe und die Gemächlichkeit genießen wir in vollen Zügen. Wird überall voller und wir fahren mit einem Kofferraum voller Schätze nach Hamburg zurück. Nicht ohne eine Schale der letzten frischen Erdbeeren des Jahres zu erstehen, köstlich. Fest steht, das machen wir jetzt öfters. Unsere „Shopping Mall“ ist das Alte Land, mehr brauchen wir nicht, um glücklich zu sein.

Hamburg im September 2024

Wenn ihr riechen könntet, wie das Auto duftet!

Neues Heim

 

 Es ist jetzt einige Wochen her, dass ich umgezogen bin. Langsam lichten sich die Reihen der Kartons und Taschen. Dinge finden ihren Platz an einem Ort, an dem ich sie wiederfinde. Ein Teil meiner Bilder hängt an den Wänden. Nun fehlen nur noch Lampen. Die Freundin meines Sohnes hat sich mit zu gerne in meinem kleinen Garten betätigt. Die Freude stand in ihr ins Gesicht geschrieben. Ich bin ihr dankbar, für ihre Unterstützung. Sträucher und Pflanzen hatte ich schon gekauft und sind gepflanzt, ein Kartoffelturm ist bestückt, Cosmea, Ringelblumen, Sonnenblumen, Malven und Mohn sind ausgesät. Hoffentlich zeigen sie sich bald im Beet, wenn die Mäuse etwas übrig lassen. Ich mahne mich zur Geduld, denn der Garten und ich dürfen uns erst einmal kennenlernen. Am Gartenzaun sehe ich schon diverse Ampeln mit Erdbeeren hängen und im Beet wachsen Stangenbohnen. In Gedanken habe ich schon den Rasen entfernt, denke ich an den Geschmack von Salat, Gurken und Möhren aus dem eigenen Garten. Mir entfleucht ein Seufzer, träumen darf ich.

 

Hamburg-Dulsberg im April 2025

Die Natur ist wunderbar und lehrt:“Gut Ding braucht Weile“.

Ahoi! Sommer in Sicht

 

Es fehlen noch einige Tage, dann haben wir schon den Monat Mai. Herrlich, die Sonne wärmt. Im Garten sind schon Bienen und Hummeln zu hören. Mehr Glück geht nicht für mich. Doch, denn plötzlich nimmt ein Schmetterling auf der Balustrade meiner Loggia Platz. Innerlich quietsche ich vor Freude. Es ist ein Admiral. Es ist Jahre her, dass ich einen Falter dieser Art, in freier Natur gesehen habe. Ich hatte schon Befürchtungen, diese Art wäre aus unsere Leben für immer verschwunden. Seine Flügel leuchten in der Sonne und scheinen fast durchsichtig. Er gewährt mir mehr, als eine Viertelstunde, um ihn genau zu betrachten, ehe er weiter fliegt. Ich danke Mutter Natur, die so ätherische Geschöpfe geschaffen hat. Diese Gattung fällt für mich unter Gestaltwandler. Sie werden in ihren Wachstumsstufen immer schöner.

Hamburg-Dulsberg im April 2025

Glück ist potenzierbar. Seit heute schließe ich es nicht mehr aus.  

Gartenfreuden

 

Leo hat mich besucht und mir die Gartenprospekte aus ihrem Briefkasten mitgebracht. Sie erwecken in mir Sehnsucht und Wünsche, für die mein Stückchen Land zu klein ist. Geht unsere Plauderstunde dem Ende entgegen, kann ich es kaum erwarten, dass sie geht. Ich teile es ihr auch lachend mit, dann  ist mit den Gartenprospekten blättern, das träumen angesagt. Sie kennt meine „Macke“ und freut sich, mir mit den kleinen Blättchen eine so große Freude bereitet zu haben. So träume ich mich als neuerliche Erbauerin der hängenden Gärten der Semiramis hinein. Leider bleibt meine Frage unbeantwortet, „Wie habt ihr das gemacht?“Später begnüge ich mich mit  meinen modernen Ideen. Diese bleiben, wie so oft, ausbaufähig.

Hamburg-Dulsberg, 28.4.25

Es sind oft die kleinen Dinge, die glücklich machen. Dazu gehören aufrichtige Freundschaft und Gartenprospekte.

Wunderbare Nacht

 


Seit dem ich im Ruhestand bin, teile ich mir den Tag so ein, wie ich es möchte. So kommt es öfters vor, dass ich nachts wach bin und in meiner kleinen Loggia sitze. Es handelt sich nicht um senile Bettflucht. Ich genieße die Zeit unter dem Sternenhimmel, wenn der Himmel klar ist. Die Nächte können so schön sein. Es gibt Momente, in denen ist es einfach nur still, kein Pieps, rascheln oder ein anderes Geräusch. Ich genieße die Stille, wie ein Schaumbad und lasse mich dankbar treiben. Diese Zeit beschenkt mich mit Glücksgefühlen. Ich fühle mich wie allein auf der Welt und spüre, wie meine Seele auftankt in  meinem kleinen Fleckchen Natur. In dieser Stille lassen sich die kleinen Abenteuer erahnen, die mich am kommenden Tag erwarten. Belohnt werde ich, wenn die Sonne aufgeht, mit dem Bild von in rosa goldenes Licht getauchten Birken, und dem Gesang der erwachten Vogelschar.  Diese Art aufzutanken benötige ich, wenn ich tagsüber unterwegs bin, denn z. Z. sind so viele Irrlichter unterwegs. Es versetzt mich  in die Lage, all meinen Mitmenschen mit Liebe und Frieden zu begegnen.

 

Hamburg-Dulsberg, im April 2025-04-29

Fühlst Du Dich hin und wieder auch wie ein Stern, der am Himmel funkelt?

Fahrkarte ins Paradies

 

Wir werden nicht mit einem Lottogewinn den Rest unserer Lebenszeit in Andalusien verbringen. Deine Kinder haben das  Zimmer mit Kerzen und den Bildern Deiner Liebsten geschmückt. So, wie Du es  gerne hast. Mit der Geste, mit der Du Deine Kinder in Deinem Leben begrüßt hast, hat Dich Dein Sohn verabschiedet, und liebevoll zugedeckt. Mit dem Sonnenstrahl, der durch Dein Fenster fiel, ist aller Schmerz und Kummer davongeflogen und hat Dich mitgenommen. Deine Fahrkarte ins Paradies hast Du nun eingelöst. Du schaust so schön und friedlich aus. Nun sind die Trauer und der Schmerz bei uns. Es ist schön, dass Deine Kinder und ich uns in diesem Moment Halt geben können. Auch sie lernen gerade, dass auch, wenn man weiß, wie der Weg aussieht, nicht bereit ist, für das, was kommt. Gerade erleben sie Parallelwelten. In der einen Welt möchten sie trauern, in der anderen Welt geht dieses scheiß f… Leben einfach rücksichtslos weiter. Nun sitze ich in Deiner Wohnung und halte Zwiesprache mit Dir. Es schneit. Es fühlt sich an, als würde Sternenstaub in mein Herz fallen. Er spendet ein wenig Trost. Eine tiefe Wehmut ist in mir. Mir kommen Erinnerungen. Als Freundinnen haben wir haben Glück und Leid miteinander geteilt, aber auch Übermut und Freude. Unsere Freundschaft ist das zärtlichste und riskanteste Geschenk, das wir in unserem Leben erhalten haben. Im aufrichtigen und wertschätzenden Miteinander konnten wir über alles reden und haben es geschafft, gemeinsam Steine aus dem Weg zu räumen. Hin und wieder bedurften diese Gespräche Unmengen an Kaffee, Wein und Zigaretten, so dass sich unser Hals wie die Wüste Gobi anfühlte. Wahre Freundschaft bedeutet Vertrauen, liebevolle Verbundenheit, Wahrhaftigkeit, Leichtigkeit, Freude und Freiheit. Es war mir eine Ehre Dich zu kennen und auf dem Weg zum Bahnhof einer Deiner Begleiter zu sein.   

Hamburg Dulsberg, Januar 2025

Liebe ist der Klebstoff, der verbindet