Wir haben Glück. Es ist das letzte Septemberwochenende, als wir geplant ins Alte Land starten. Es ist noch warm und die Sonne scheint. Leo lenkt mutig das geborgte Auto durch unglaublich viele Baustellen. Die Fahrt durch den Hamburger Hafen ist beeindruckend. In diesem Areal hat ganz Monaco Platz. Wir nähern uns dem Alten Land. In der Ferne leuchten schon die Äpfel und Birnen an den Bäumen im Sonnenlicht. Heute ist einer der letzten warmen Tage. Einmal mit dem Auto durch Hamburg durch ist für Leo sehr anstrengend, reiht sich doch eine Baustelle nach der andren, fürchterlich. Wir haben einen Plan und landen am ersten Apfelhof mit Hofladen und Café. Vor dem Gebäude stehen Körbe und Kisten mit Gemüse und Obst, appetitlich angerichtet. Wir sind im Kaufrausch. Schnell ist die erste Hälfte des Kofferraumes voll von Gemüse und Obst, darunter befindet auch auch eine Steckrübe, frisch vom Feld. An ihr hängen noch ein paar Erdkrumen und sie duftet nach Herbst. Überwältigt von unserem Einkauf gehen wir erst einmal frühstücken. Wir sitzen draußen im Hof, über unseren Köpfen wachsen Kiwis. Es ist ein schönes Café und es ist friedlich. Kinder, die mit ihren Eltern frühstücken spielen friedlich und turnen am Treppengeländer. Ich genieße warmes Schwarzbrot mit frischem Schmalz. Das habe ich schon jahrzehntelang nicht mehr gegessen, einfach lecker. Es ist ruhig hier im Alten Land. Seit Stunden keine einzige Sirene. Nach dem leckeren Frühstück ziehen wir weiter. Beim nächsten Apfelhof finden wir die Apfelsorte, die unser Herz begehrt und kaufen das gepflückte Obst. Ich finde die Birnensorte, die in Oma´ s Garten gestanden hat. Ein paar Kilos davon müssen auch mit. Die Menschen haben ausgeschlafen. Immer mehr Familien sind mit Apfelpflückern und Körben ziehen in die Apfelreihen. Normale Kinder, die nicht schreien oder kreischen; echte Ausflüge und Kinder, die sich auf die Apfelernte freuen. Ich merke, dass ich geschädigt durch die Großstadt bin. Ich habe meine Schuhe ausgezogen und laufe barfuß durch die Apfelhaine. Mich erfreuen die Blühstreifen mit Kräutern, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Vor vierzig Jahren bin ich als Kräutersammlerin unterwegs gewesen. Ich schlage mir innerlich auf die Finger und pflücke nichts, denn die Bienen sind noch auf Nahrungssuche. Stimmt, mindestens ein Glas Honig muss auch noch mit. Im nächsten größeren Ort finden wir auch den Landschlachter, nach dem wir Ausschau gehalten haben. Auf einem weiteren zauberhaften Hof erstehen wir noch Eier und Honig und trinken frisch gepressten Apfelsaft. Eigentlich haben wir alles ;eigentlich ist auch kein Hauptwort. Die Ruhe und die Gemächlichkeit genießen wir in vollen Zügen. Wird überall voller und wir fahren mit einem Kofferraum voller Schätze nach Hamburg zurück. Nicht ohne eine Schale der letzten frischen Erdbeeren des Jahres zu erstehen, köstlich. Fest steht, das machen wir jetzt öfters. Unsere „Shopping Mall“ ist das Alte Land, mehr brauchen wir nicht, um glücklich zu sein.
Hamburg im September 2024
Wenn ihr riechen könntet, wie das Auto duftet!
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