Sonntag, 15. Februar 2026

Sterben

 


Gestern hatte ich Besuch von meiner kleinen Schwester. Sie ist eine Schwester im Geiste, ein Herzensmensch, wie man sich in seinem Leben wünscht. Ihr Papa ist verstorben. Es ist absehbar gewesen. Geschieht es dann, ist ein tiefer Schmerz  im Herzen und der Verlust spürbar und wiegt schwer. Sie ist traurig, dass sie in seiner letzten Stunde nicht an seinem Bett sitzen konnte. So hat sie sich am offenen Sarg von ihm verabschiedet und noch ein Zwiegespräch mit ihrem geliebten Vater gehalten. Sie hat es ihren Kindern freigestellt, ob sie ihren Opa noch einmal sehen wollten, um sich zu verabschieden. Es sind vier Kinder im Alter von 5 bis 18 Jahren. Sie wollten es nicht. Gerührt berichtet meine kleine Schwester, dass ihre Kinder, die ihren Schmerz gespürt haben, sie nicht allein gelassen haben. Nach und nach sind sie zu ihrer Mutter an den Sarg gekommen, um sie in ihrem Schmerz nicht allein zu lassen. Nach der Trauerfeier hat der Priester die Kinder gefragt, ob sie den  Großvater zu seiner letzten Ruhestätte begleiten möchten. Sie haben die Mulden am Sarg ergriffen und haben ihren Opa so mit zur letzten Ruhe gebettet. Diese Geste hat sie verstehen lassen, dass das Sterben zum Leben dazu gehört. Ihr Neffe, der  mit in die Familie gebracht worden ist, hat sich weinend am Grab bedankt, dass Opa ihn, wie einen eigenen Enkel angenommen hat. Abschiede sind auch für Kinder wichtig. In unserem Land redet man nicht über Werden und Vergehen. In unserer Kultur hält man die Kinder fern. Kein Schatten soll auf das junge Leben fallen. Ob diese Entscheidung so richtig ist? Das darf jeder Einzelne für sich überdenken. Der Tod des Vaters ist nicht der Grund des Besuchs bei mir gewesen. Es war eine Auseinandersetzung mit ihrem Bruder. Es ging um das Erbe. Meine kleine Schwester teilte ihrem Bruder mit, dass sie auf ihren Erbteil verzichtet. Sie hat sich das  gut überlegt. Alles, was sie mit diesem Haus verbunden hat, existiert nicht mehr. Es ist Materie. Sie hat ihre Wurzeln in Deutschland gefunden. Der Bruder ist ausgerastet. Er hat sich in der Familie als Opfer gefühlt. Das ist der zweite Grund, warum ich die Geschichte erzähle. Die Ursache für den Konflikt waren die nicht geführten Gespräche mit den Eltern und den Geschwistern, die unausgesprochenen Worte, die in der Trauer schwerer wogen, als jegliches Gebirge. Die angestaute Wut hat sich ihren Weg gebahnt. Der Bruder kann mit dem Frieden meiner kleinen Schwester nicht umgehen. Leider auch nicht mit Geschenken und bedingungsloser Liebe. Seid mutig und sucht das Gespräch, bevor es zu spät ist. Es ist lediglich ein Rat, den ich zu bedenken gebe.

Loyal

 


Leo und ich sind verabredet; Treffpunkt Taverna  Metaxa, unser Stammrestaurant in unserem Stadtteil. Unser Geld geben wir hier aus in den Geschäften, damit sie uns erhalten bleiben. Unsere seit Jahren bestehende monatliche Verabredung ist aus den unterschiedlichsten Gründen, für einige Zeit ausgefallen. Die Vorfreude, die wir in uns  tragen, ist riesengroß, der Appetit mittlerweile auch. Ein Tisch ist bestellt. Beim Eintreten in das Restaurant, werden wir mit überwältigender Herzlichkeit begrüßt, fast in den Arm genommen. Behandelt, wie Familienmitglieder, die man lange nicht mehr gesehen hat. Sich im eigenen Land willkommen fühlen, ist etwas, was mir durch die Politik genommen wurde. Ich merke erst jetzt, wie schmerzlich ich das vermisse. Leise weine ich nach innen. Die Bestellung wird aufgenommen und wir werden nach unseren Befindlichkeiten gefragt. Nach dem ersten Ouzo kommt ein Gruß aus der Küche. Frisch gebackenes, warmes Brot mit einem leckeren Dip, köstlich .Hier gibt es eine excellente Küche. Das Wasser läuft uns bei den Düften im Mund zusammen. Unsere Bestellung wird gebracht. Wir genießen jeden einzelnen Bissen, herrlich. Wie erwartet sindn die Preise etwas höher, die Portionen auch ein wenig kleiner geworden. Die Portionen sind immer noch so groß, dass wir mehr als satt geworden sind. Die Reste werden uns eingepackt. Nach einem letzten Mocca gehen wir nach Hause. Es war uns ein Fest. Nein, Sirtaki tanzen lernen mussten wir nicht. Wir freuen uns auf den nächsten Monat und auf die Regelmäßigkeit, die wieder Einkehr in unser Leben halten wird. Nicht nur wir als Besucher sind loyal. Ein schönes ,fast unbemerktes Geschenk. Ein Wert, der hoffentlich erhalten bleibt.

Respektlosigkeit


Respektlosigkeit Anderen gegenüber fällt mir täglich auf. Ich rede von dem Respekt, den jeder einfordert. Sei er Politiker oder Privatmensch. Vor ein paar Jahren wurde ich gebeten, mich an einem großen Projekt zu beteiligen. In meinem Stadtteil haben sich Institutionen und Geld zusammengetan, um ein Zirkusprojekt für die Kinder zu gestalten. Die Veranstalter waren alles Pädagogen. Die Veranstaltung krankte an fehlenden Hilfskräften. Lehrern und Eltern, die eine Zusage gemacht haben, fehlten unentschuldigt. Die Organisatorin fehlte, entschuldigt. Plötzlich war ich ihre Stellvertreterin, ohne Kenntnisse von Vereinbarungen und ehrenamtlich. Während des Projektes wurden zwei Kinder auffällig. Eine Mutter beschwerte sich sofort:“Sie erwarte, auch wenn ihr Kind nicht beteiligen will, es müsse öfters aufgefordert und eingeladen werden.“Bei 498 Kindern, die noch betreut werden sollten und fehlenden Unterstützern, schwierig. Mit ihrem Kind nach Hause lehnte sie ab. Die Veranstaltung war ja kostenlos. Ein weiteres Kind war sauer, weil es warten musst und wollte sofort schreiend nach Hause. So habe ich die Mutter angerufen, sie möge ihr Kind abholen. Die Mutter lehnte das am Telefon ab. Am Samstagmittag, die glückliche Frau. Ich teilte ihr mit, ich setze das Kind in ein Taxi. Der Shitstorm, der folgte, war enorm. In der Nachbereitung habe ich die Pädagogen gefragt, warum sie trotz Zusage nicht gekommen wären. Die lapidare Antwort von ihnen:“Es waren doch Ferien!“.Ich müsste das verstehen. Ja und ich hätte anders reagieren müssen, das wäre nicht in Ordnung gewesen. Seit diesem Sommer arbeite ich nicht mehr ehrenamtlich.  Respektlosigkeit ist immer schlimmer geworden. Menschen überschätzen sich; geben Zusagen, die sie nicht halten können. Sie richten Schaden an, da sie nur aus ihrer eigenen Perspektive denken. Es fehlt an Empathie, Fakten werden ignoriert, wenn sie nicht in ihr Weltbild passen.

Gilt das als vertrauensbildende Maßnahme? Ich mag so nicht leben, verlässlich unverlässlich