Dienstag, 15. März 2022

Oh happy Day 3

 

Ich könnte vor Freude zerspringen! Mein Sohn und seine Freundin schenken mir spontan von ihrer Zeit. Es ist schon drei Monate her, daß wir uns in die Augen geschaut und in die Arme genommen haben. Ich habe meine Sehnsucht ganz gut verdrängt. Als es klingelt, ist schon alles fertig, gebacken und gekocht, damit wir jede  Minute auskosten können. Er macht sich Sorgen und bietet mir Hilfe an, wenn mein Geld für die Strom Nachzahlung nicht reichen sollte. Es rührt mich. Nach dem Essen hören wir Musik und sprechen über die aktuellen Geschehnisse im Weltenwandel. Als er das Lied „Alte Männer“ hört, bricht er in Tränen aus und wir liegen uns weinend in den Armen. Die Trauer benötigt ihren Raum, denn sie sitzt nicht nur in seinem Nacken. Nach einer Weile sagt er:“Die Sänger haben mit jedem Wort recht! Warum wird aus der Geschichte nichts gelernt?“Ich schweige über Bonhoeffers Texte aus dem Gefängnis über die Dummheit. Es gibt die vielfältigsten Erklärungen dafür, was gerade in unserer Welt geschieht. Meine Erklärung lautet: „Wer ohne Liebe auf diese Welt schaut, ist blind.“Ich liebe meine Kinder. Ich habe sie bewusst in diese Welt geboren, mit unendlich viel Hoffnung auf eine schönere Welt für sie und mit den allerbesten Wünschen für ihre Zeit auf Erden. Mir tut es weh zu sehen, was der Krieg vor der Haustür mit ihnen macht. Ich bin Mutter und möchte meine Kinder immer noch beschützen, sie am liebsten nehmen und mit ihnen fliehen, aber wohin? Ich bin entsetzt, wie mit Leichtfertigkeit und Überheblichkeit sich Politiker über das Wohl und den Bedürfnissen ihres eigenen Volkes hinweg setzen Ich werde das tun, was ich seit Jahren mache, mich weiter dafür einsetzen, daß nicht nur für meine Kinder diese Welt ein friedlicher Ort wird.

Hamburg Dulsberg,12.03.22

Fühlen, die Kontrolle loslassen und sich der Verbundenheit und Liebe hingeben; ist ein Weg, um diese Welt zu einer schöneren zu machen. Meine Kinder sind erwachsen und treffen ihre eigenen Entscheidungen., aber ein Teil meiner Seele ist immer noch Mutter.

Donnerstag, 10. März 2022

Slapstick

 

Heute habe ich mir etwas vorgenommen. Damit mir nichts in die Quere kommt, habe ich mich zu einem Bürgertest angemeldet. Glücklich und bis an die Haarspitzen geimpft mit guter Laune, schnappe ich mir meine Stützen  und mache ich mich auf dem Weg zum Testzentrum. Ich habe weniger Zeit benötigt, als gedacht und bin stolz auf mich, den Weg geschafft zu haben. Die kalte, klare Luft geniesse ich in vollen Zügen. Wieder zu Hause angekommen, erreicht mich auch schon das Testergebnis. Schockschwerenot! Positiv! Ich fühle mich gesund, aber irgendjemand hat mir mit einem Brett vor den Kopf geschlagen. Das muss ich erst einmal verdauen. Die letzten Kontakte waren an der frischen Luft, maskiert, und das mit gebührendem Abstand. Laut verfluche ich die Leute, die auf meinen Frühstücksapfel gehustet haben. Es hat trotz abwaschen mit heißem Wasser, wie es scheint nichts genützt. Laut Internet gibt es Rat unter der Telefonnummer des Kassenärztlichen Notdienstes. Bei meinem letzten Versuch habe ich fünfundvierzig  Minuten in der Warteschleife gehangen, bevor ich aus ihr hinausgeworfen wurde. Heute ist mir das Glück hold. Nach kurzer Zeit habe ich mein Problem einer netten Stimme am Telefon schildern können. Ich benötige einen andern Test. Beim Abfragen meiner Daten stellen wir fest, die nette Stimme am Telefon ist mein Nachbar. Wir mussten lachen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit in einer Hotline jemanden zu hören, den du kennst. Er hat mir seine Hilfe angeboten, wenn das Testergebnis bestätigt werden sollte. Innerhalb der nächsten vierundzwanzig Stunden kommt jemand vorbei. Ich horche in mich und fühle mich immer noch gut. Ich koche mir erst einmal eine Tasse Kaffee, denn wenn ich aus dem Tiefschlaf geweckt werde, kann es gelegentlich sein, daß ich zum Alien mutiere. Das muss ja nicht sein und halte mich wach. Ein Glas Wein auf den Schreck wäre mir lieber gewesen. Nach vier Stunden klingelt es an meiner Tür. Ich habe eine Erscheinung. Eine Frau steht vor der Tür. Sie stellt sich vor:! Kassenärztliche Vereinigung, ihre Krankenversichertenkarte bitte“, ein Teströhrchen, unverpackt in der Hand. Hinein kommen wollte sie nicht. Auf meiner Fußmatte stehend, hat sie mir im Treppenhaus den Test abgenommen. Sicherlich hat sie auch noch ein paar Spinnweben und Aerosole von Nachbarn eingefangen. Ich bekomme einen Zettel in die Hand gedrückt mit den Worten.“Steht alles drauf“. Innerhalb von Sekunden  beamt sie sich auf einer Eiswolke aus dem Treppenhaus. Glücklicherweise ist es bei mir nicht zu einer rapiden Verschlechterung gekommen. Jetzt gibt es, um die Kälte zu verdrängen, erst einmal einen Grog. Er ist vom weihnachtlichen Backen übrig geblieben. Dieses Ereignis muss ich tatsächlich mit Alkohol herunter spülen. Die Ärztin ohne Namen wollte sich sicherlich nicht kontaminieren. Beim zweiten Grog ereilen mich Fluchtgedanken. Die letzte Lebensphase sollte doch schön werden. Den schlechten Film, der gerade um mich herum läuft, habe ich nicht bestellt. Um nicht mit schlechten Gedanken schlafen zu gehen, suche ich nach netter Musik im Internet. Was entdecken meine leicht müden Augen? Die Bitte um eine Bewerbung als Richter für das Bundesverfassungsgericht. Gesagt, getan. Ich kann Ungerechtigkeit nicht leiden. Meine diversen Berufsausbildungen kann ich mit echten Zeugnissen, jahrelanger Berufstätigkeit und guten Zeugnissen belegen. In jedem Zeugnis wird mir gutes Benehmen und eine schnelle Auffassungsgabe bestätigt. Das ist mehr, als ein Teil unserer Politiker vorweisen kann; meine Universität war und ist das Leben und meine Interessen sind Kunst, Geschichte und soziale Arbeit. Dort, wo das wirkliche Leben stattfindet; wo man gehen muss, wenn man schlechte Arbeit abliefert. Werfen sie meine Bewerbung nicht weg, ich kann auch Kanzler. Zu dem kann ich so meine karge Rente aufbessern und kann da sterben, wo ich eigentlich verwurzelt bin. Der Rum ist ausgetrunken, die Bewerbung ist raus. Ich habe nur mit dem Bild geschummelt. Das ist zehn Jahre alt.

 

 

Hamburg Dulsberg, März 2022

Ich konnte und wollte mir nie Krieg vorstellen. Kenne ich doch Soldaten der Bundeswehr, die ihre Auslandseinsätze immer noch nicht verkraftet haben, die Erzählungen meiner Nachbarn aus Syrien, Serbien, Bosnien, Afghanistan…Höre Geschichten aus der Schule, weil türkische und russische Kinder aufeinander losgehen. Plötzlich sollen russische Waren aus den Supermärkten genommen werden. Kommen die jetzt in die Hilfspakete für die Ukraine? Warum werden Fensterscheiben von russischen Geschäften eingeworfen? Gelegentlich mag ich einfach nicht mehr und ich weiß, mit diesem Gefühl des Entsetzens bin ich nicht alleine.

Oh happy Day 2

 

Der Morgen begrüßt mich mit blauem Himmel und Sonnenschein .Heraus aus den Federn und das Kaffeewasser aufgesetzt. Schnell ein Blick auf die neuesten Nachrichten. Meine noch nicht ganz wachen  Augen lesen die Aussagen von einem ehemaligen Bundespräsidenten und einer EU Politikerin: Ihr Vorschlag, daß wir Menschen frieren und Energie sparen sollen, lässt mich fast an meinem Kaffee verschlucken. Auch sollen wir mal ein paar Jahre auf Glück verzichten. NEIN! Mit dieser Geringschätzung von uns Menschen soll mein Geburtstag nicht beginnen Ich fühle mich betroffen und merke, mir fallen etliche Gegenvorschläge ein. Nein, meinen Geburtstag lasse ich mir nicht vermiesen. Das Leben wird bei diesen Leuten schon für den entsprechenden Karma Ausgleich sorgen. Mit ein paar Handgriffen ist mein Rucksack gepackt und stehe vor der Tür. Ab ins Grüne und mal schauen, wie weit ich es mit meinen Stützen schaffe. Brr, der Wind pfeift kalt um die Häuserecken. Ab in den Park, dort bin ich schon lange nicht mehr gewesen. Vom letzten Frühjahrssturm und von Gärtnerhand ist er arg ausgelichtet .Einen längeren Moment verweile ich auf einer Bank und beobachte die Vögel, die im Kanal ihre Federn putzen. Ich entdecke Spechte, die an ihrem neuen Heim bauen. Sie sind nicht zu überhören. Die Natur platzt auf und zeigt ihr feines, buntes Kleid. Im Park sitzen Leute, dick verpackt in warme Jacken. Ihre Rollatoren voller geistiger Getränke für noch lautere, hochgeistige Gespräche-. Ihre Hunde müssen neben der Bank liegen. Bei der geringsten Bewegung werden sie rüde zurück gepfiffen. Die Tiere tun mir leid. Irgendwann habe ich es geschafft, und kann die Leute ausblenden; nur noch Vogelgezwitscher, wunderbar. Auf meinen mitgebrachten Proviant, zwei Äpfel, verspüre ich keinen Appetit. Unsere Eisdiele hat geöffnet. Zum Bruch ein Eis. Es schmeckt nach Verheißung und einem üppigen Sommer. Auf dem Weg zum nächsten Park schlendere ich durch ein Wohngebiet. An einer Hausecke entfaltet sich plötzlich  ein langer Mensch.“Spannenlanger Hansel, nudeldicke Deern“( altes plattdeutsches Kinderlied), griene ich in mich hinein. Freundlich strahlt er mich an und ich komme seinem unausgesprochenen Wunsch nach, und lobe ihn für sein frisch angelegtes und Beet. Er erzählt mit von seinem Leben und zeigt stolz auf seine Balkonkästen. Die Pflanzen sind sorgsam aufgereiht, alle gleich groß. So etwas habe ich noch nie hinbekommen(Ich war auch nicht bei der Marine) Mutig hat er künstliche Schmetterlinge dazu dekoriert. Ein offenes , freundliches Lächeln ohne Maske. Die Menschen haben Sehnsucht danach, kurzer, netter Klönschnack und ein freundlicher Gruß. Das Leben kann so schön sein. Die Mitbürger im Stadtteil sind in Plauderlaune. Sonne und blauer Himmel sind Medizin. Es fühlt sich so an, als hätten sie in den letzten grauen Wochen alle Worte aufgespart. Heute drängen sie aus ihnen heraus, Frühling halt. Mit einigen Hundebesitzern mache ich spontan eine Meditation für den Frieden. Sie waren in ihren Gedankenkarussells verhaftet. Sie setzten ihren Weg mit einem Lächeln auf ihren Gesichtern fort  Keiner ging, ohne den Anderen zu umarmen. An einer anderen Stelle im Park habe  ich „Mork vom Ork“ kennengelernt. Nein, er hat mich nicht mit „Nano, Nano“ begrüßt. Wir hatten ein sehr schönes Gespräch und fühlten uns beide gut, als wir uns verabschiedet haben, den Traum von einer schöneren Welt voller Menschen, die einander ehrlich und liebevoll begegnen. Eins steht für mich fest, ich werde weiter daran arbeiten, ein liebevollerer Mensch zu werden. Ein schöner Tag. Ich wünsche mir einen ganzen Korb voll von ihnen.

Hamburg Dulsberg, März 2022

Denkt ans fünfte Gebot; schlagt Eure Zeit nicht tot.(Erich Kästner)

Mittwoch, 9. März 2022

Rudi´s Reise

 

Ich bin schon wach und sitze bei meinem ersten Kaffee. Dis Sonne scheint und blauer Himmel, der auf einen schönen Tag hoffen lässt. Es klingelt. Eigentlich ist es noch die Zeit vor dem Aufstehen. Rudi ist von seiner Reise zurück. Unverschämt braun gebrannt und gut erholt, steht er strahlend in der Tür. Ich  gönne es ihm von Herzen. Er fragt, ob ich Lust auf einen Kaffee hätte und auf einen Reisebericht. Seiner Bitte von Politik und Tagesgeschehen nichts zu erwähnen, komme ich gerne nach. Es macht uns Menschen gerade sehr verwundbar. Gut gelaunt breitet er seine mitgebrachten Schätze auf meinem Küchentisch aus. Wortgewandt und blumig zeichnet er mir Bilder aus Südamerika auf die Wände meiner Küche. Begeistert berichtet er von den herrlichsten Blumen, die er je in seinem Leben gesehen hat, von  der Tierwelt, dem Rauschen des Meeres an Atlantik und Karibik Küste, von Wind, Sand und Strömung. Zwischendurch schnuppern und probieren wir die Mitbringsel, die der Zoll ihm gelassen hat. Jede Pore seines Seins ist beseelt von Schönheit von Glück. Er ist dankbar für das Erlebte. Wir haben einfach vergessen zu frühstücken. Schöne Erzählungen können auch satt machen. In der jetzigen Zeit sind sie essentiell. Ich kann seinen Wunsch verstehen, sich dieses Gefühl so lange, wie möglich zu bewahren. Am Montag darf er wieder zur Arbeit. Rudi gehört zu den wenigen Menschen, die ich kenne, die Arbeit und Firma lieben. Er befindet sich noch im Flugmodus. Als er sich gegen Mittag verabschiedet, entschwindet er schnell, wie der Götterbote Hermes, hurtigen Schrittes und hinterlässt in mir eine große Duftwolke von Fernweh.

 

Hamburg Dulsberg, im März 22

Mein Test ist negativ und ich darf vor die Tür. Handy aus, kalte und klare Luft schnuppern. Ich verspüre die Lust auf Malen. Danke Rudi, für das „Mafia Frühstück“ und dem Fluten meiner Küche mit Deinen Abenteuern, herrlichen Farben und dem Duft von Freiheit und dem Gefühl von unendlicher Liebe, für die Schönheit unserer Welt.

Oh happy Day

 

Ein Blick auf den Kalender zeigt mir, bald ist es wieder soweit. Ich werde ein Jahr älter. Es ist lediglich eine Zahl, denn so alt fühle ich mich noch nicht. Es sind noch viele Pläne in meinem Kopf, die umgesetzt werden wollen. Feiern? Nein, danach ist mir selten nach zu Mute. Den Tag verbringe ich gerne mit mir allein. Ich wertschätze mein vergangenes Jahr, in dem ich es Revue passieren lasse, um es in Dankbarkeit gehen zu lassen. Ist dieses Jahr doch für mich ein wertvoller Lehrer gewesen. Meist stelle ich fest, daß es jetzt gilt, einige Dinge anders zu machen. Auch in diesem Jahr versuche ich, mich wieder vor Besuch zu drücken. Oft scheitert mein Wunsch an den Bedürfnissen der Anderen. Ich erinnere mich an einen meiner runden Geburtstage, an dem ich kund getan habe, daß ich mir einen Tag mit mir schenke und nicht zu Hause bin. Ein wunderbares Seminar hatte ich mir geschenkt und zum Abschluss des Tages ein leckeres Essen in meinem Lieblingsrestaurant. Als ich gegen 22 Uhr nach Hause komme, mich in Gedanken schon auf mein Bett freue, finde ich mein Haus hell erleuchtet vor. Das Wohnzimmer ist voll. Alle sitzen und feiern, freuen sich, mich zu sehen und zu umarmen. Ihrer Meinung nach, ist mein Geburtstag Anlass genug. Sie haben sich beim Nachbarn den Schlüssel besorgt und eine Überraschungsparty vom Zaun gebrochen. Ich stoße mit ihnen an und bedanke mich artig, dann gehe ich zu Bett. Es ist nur eines der befremdlichen Feiererlebnisse, die ich habe. Mir fallen auf Anhieb einige Festivitäten ein, denen ich gerne fern geblieben wäre. Gerade, als wäre es gestern gewesen, sehe ich die kleine Tante vor meinen Augen, die nach Genuss von zu viel Alkohol auf dem Abendbrot Tisch einen Striptease hingelegt hat. Das ganze vor den Augen der Kollegen meines Vaters, dem das blanke Entsetzen in den Augen gestanden hat. Als er seine Schwester vom Tisch gehoben hat, habe ich mir in Bier aufgemacht, das was dann kam, war nicht schön. Die unterirdischen Pöbeleien auf der Hochzeit meiner Schwester. Tja, so sind die angeblich schönsten Tage im Leben, sie hatte Tränen in den Augen Auch ich habe Erlebnisse, die mich sehr betroffen gemacht haben und auf die ich nicht stolz bin. Ich feiere trotz aller gemachten Erfahrungen gerne. Das Leben an sich, und jeden einzelnen Tag, an dem ich aufwache. Es sind Geschenke, die ausgepackt werden wollen. Einige sind mit Böllern und Raketen versehen, die mich erschrecken; die meisten sind aber voller Musik und zauberhaft. Die alten Geschichten sind Vergangenheit und abgehakt. Sie haben dazu geführt, daß ich kleine Feiern mag, auf denen die Zeit für Begegnungen ist. Auch sie sind meist voller Tanz; trunken voller Lebenslust, Lachen und Albernheiten. Umgehend habe ich diese Geschichten vor Augen, sie sind wie Geschenkpapier, Konfetti und ein guter Wein.

 

Hamburg Dulsberg, im März 22

Eine Freundin hat mich erinnert, daß es so weit ist. Ich hätte den Tag vergessen. Ich bin dann mal weg, denn ich habe Pläne.“Bin in einer Mission unterwegs“(Blues Brothers)