Ein Blick auf den Kalender zeigt mir, bald ist es wieder soweit. Ich werde ein Jahr älter. Es ist lediglich eine Zahl, denn so alt fühle ich mich noch nicht. Es sind noch viele Pläne in meinem Kopf, die umgesetzt werden wollen. Feiern? Nein, danach ist mir selten nach zu Mute. Den Tag verbringe ich gerne mit mir allein. Ich wertschätze mein vergangenes Jahr, in dem ich es Revue passieren lasse, um es in Dankbarkeit gehen zu lassen. Ist dieses Jahr doch für mich ein wertvoller Lehrer gewesen. Meist stelle ich fest, daß es jetzt gilt, einige Dinge anders zu machen. Auch in diesem Jahr versuche ich, mich wieder vor Besuch zu drücken. Oft scheitert mein Wunsch an den Bedürfnissen der Anderen. Ich erinnere mich an einen meiner runden Geburtstage, an dem ich kund getan habe, daß ich mir einen Tag mit mir schenke und nicht zu Hause bin. Ein wunderbares Seminar hatte ich mir geschenkt und zum Abschluss des Tages ein leckeres Essen in meinem Lieblingsrestaurant. Als ich gegen 22 Uhr nach Hause komme, mich in Gedanken schon auf mein Bett freue, finde ich mein Haus hell erleuchtet vor. Das Wohnzimmer ist voll. Alle sitzen und feiern, freuen sich, mich zu sehen und zu umarmen. Ihrer Meinung nach, ist mein Geburtstag Anlass genug. Sie haben sich beim Nachbarn den Schlüssel besorgt und eine Überraschungsparty vom Zaun gebrochen. Ich stoße mit ihnen an und bedanke mich artig, dann gehe ich zu Bett. Es ist nur eines der befremdlichen Feiererlebnisse, die ich habe. Mir fallen auf Anhieb einige Festivitäten ein, denen ich gerne fern geblieben wäre. Gerade, als wäre es gestern gewesen, sehe ich die kleine Tante vor meinen Augen, die nach Genuss von zu viel Alkohol auf dem Abendbrot Tisch einen Striptease hingelegt hat. Das ganze vor den Augen der Kollegen meines Vaters, dem das blanke Entsetzen in den Augen gestanden hat. Als er seine Schwester vom Tisch gehoben hat, habe ich mir in Bier aufgemacht, das was dann kam, war nicht schön. Die unterirdischen Pöbeleien auf der Hochzeit meiner Schwester. Tja, so sind die angeblich schönsten Tage im Leben, sie hatte Tränen in den Augen Auch ich habe Erlebnisse, die mich sehr betroffen gemacht haben und auf die ich nicht stolz bin. Ich feiere trotz aller gemachten Erfahrungen gerne. Das Leben an sich, und jeden einzelnen Tag, an dem ich aufwache. Es sind Geschenke, die ausgepackt werden wollen. Einige sind mit Böllern und Raketen versehen, die mich erschrecken; die meisten sind aber voller Musik und zauberhaft. Die alten Geschichten sind Vergangenheit und abgehakt. Sie haben dazu geführt, daß ich kleine Feiern mag, auf denen die Zeit für Begegnungen ist. Auch sie sind meist voller Tanz; trunken voller Lebenslust, Lachen und Albernheiten. Umgehend habe ich diese Geschichten vor Augen, sie sind wie Geschenkpapier, Konfetti und ein guter Wein.
Hamburg Dulsberg, im März 22
Eine Freundin hat mich erinnert, daß es so weit ist. Ich hätte den Tag vergessen. Ich bin dann mal weg, denn ich habe Pläne.“Bin in einer Mission unterwegs“(Blues Brothers)
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