Innerlich vor Freude jubelnd blicke ich auf die Zwetschgen, die herrlich duftend, den Weg in meine kleine Küche gefunden haben. Sie riechen nach der Eroberungslust meiner Kindheit, verbotene Weise im Baum sitzend, schwelgend in einem Meer der leckersten Zwetschgen und ich sehe, wie sich meine kleinen Zähne in das herrlich saftige Fruchtfleisch beißen, ohne einen Gedanken an Bauchschmerzen zu verschwenden. Gelitten wurde später. In meiner Nase entwickelt sich gerade ein feines Aroma. Es entsteht, wenn der Geschmack von herb süßlichen Zwetschgen, sich mit knusprigen Zimtstreuseln, einer feinen Vanillecreme mit dem Teig eine vollkommene Symbiose eingeht. Das Wasser in meinem Mund entwickelt sich gerade zu einem Sturzbach. Ich bin ein Genussmensch. Den Gedanken an die Unsinnigkeit für mich allein ein großes Blech Zwetschgenkuchen zu backen, schiebe ich zur Seite. Es ist eh zu spät dafür. Für einen kurzen sinnlichen Moment, bin ich wieder das kleine Mädchen von damals, als ich mich daran mache, den herrlichsten Kuchen der Welt zu backen. Er ist geschmacklich unerreicht, von jedem Bäcker und Konditor, dessen Zwetschgenkuchen ich eine Chance gegeben habe. Sie waren gut, aber nicht so gut, wie der von Oma. „Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt“, sagt ein altes Sprichwort. Zwetschgen entkernen(2 kg), Teig und eine leicht säuerliche Vanillecreme anrühren, in welche die Zwetschgen später üppig belegt gebettet werden, darüber Zimtstreusel mit Haferflocken, mmh. Ab mit dem Blech in den Backofen und die qualvoll lange Backzeit überbrücken. Und dann ist er da, der ungeduldig erwartete Moment, begierig in das erst noch warme Stück Kuchen zu beißen, ein Geschmacksexplosion! Morgen suche ich Mitesser, denn ich habe genügend „Naturplüsch“, besser ist das. Ich hatte Freude am Backen und bin nach diesem kleinen Ausflug glücklich.
Hamburg Dulsberg, im September 2022
Danke Oma. Durch Krieg und Erziehung hattest nicht viele Worte; aber eine sprechende Küche und ein großes Herz. Irgendwann sehen wir uns wieder. Ich habe früh gelernt, daß der Tod der unsichtbare Gast in unserer Mitte ist.