Donnerstag, 29. September 2022

Danke Oma

 

Innerlich vor Freude jubelnd blicke ich auf die Zwetschgen, die herrlich duftend, den Weg in meine kleine Küche gefunden haben. Sie riechen nach der Eroberungslust meiner Kindheit, verbotene Weise im Baum sitzend, schwelgend in einem Meer der leckersten Zwetschgen und ich sehe, wie sich meine kleinen Zähne in das herrlich saftige Fruchtfleisch beißen, ohne einen Gedanken an Bauchschmerzen zu verschwenden. Gelitten wurde später. In meiner Nase entwickelt sich gerade ein feines Aroma. Es entsteht, wenn der  Geschmack von herb süßlichen Zwetschgen, sich mit knusprigen Zimtstreuseln, einer feinen Vanillecreme mit dem Teig eine vollkommene Symbiose eingeht. Das Wasser in meinem Mund entwickelt sich gerade zu einem Sturzbach. Ich bin ein Genussmensch. Den Gedanken an die Unsinnigkeit für mich allein ein großes Blech Zwetschgenkuchen zu backen, schiebe ich zur Seite. Es ist eh zu spät dafür. Für einen kurzen sinnlichen Moment, bin ich wieder das kleine Mädchen von damals, als ich mich daran mache, den herrlichsten Kuchen der Welt zu backen. Er ist geschmacklich unerreicht, von jedem Bäcker und Konditor, dessen Zwetschgenkuchen ich eine Chance gegeben habe. Sie waren gut, aber nicht so gut, wie der von Oma. „Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt“, sagt ein altes Sprichwort. Zwetschgen entkernen(2 kg), Teig und eine leicht säuerliche Vanillecreme anrühren, in welche die Zwetschgen später üppig belegt gebettet werden, darüber Zimtstreusel mit Haferflocken, mmh. Ab mit dem Blech in den Backofen und die qualvoll  lange Backzeit überbrücken. Und dann ist er da, der ungeduldig erwartete Moment, begierig in das erst noch warme Stück Kuchen zu beißen, ein Geschmacksexplosion! Morgen suche ich Mitesser, denn ich habe genügend „Naturplüsch“, besser ist das. Ich hatte Freude am Backen und bin nach diesem kleinen Ausflug glücklich.

Hamburg Dulsberg, im September 2022

Danke Oma. Durch Krieg und Erziehung hattest nicht viele Worte; aber eine sprechende Küche und ein großes Herz. Irgendwann sehen wir uns wieder. Ich habe früh gelernt, daß der Tod der unsichtbare Gast in unserer Mitte ist.

Sonntag, 18. September 2022

Hallo Herbst!

 

In diesem Jahr scheint es mir, hattest du es mit deiner Ankunft besonders eilig. Ich weiß um deinen Besuch. Mir fehlt es an deiner Magie, und der langsamen, liebevolle Vorbereitung auf die immer kürzer werdenden Tage. Vielleicht hat dich die Kargheit des trockenen Bodens so zur Eile gemahnt. Mir fehlt der aufsteigende Dunst, wenn die Wärme der Kälte weicht, der am Morgen über den Wiesen, Sträuchern und Bäumen hängt; die zauberhaften von Tautropfen besetzten Spinnen Netze, die in der Sonne glitzern, wie Edelsteine. Es tröstet, daß es fast nichts Schöneres gibt, als mit den Füßen durch das raschelnde Laub zu gehen und sich an der Schönheit der Blätter erfreuen.Heute lässt der starke Wind die Bänder der Sonnenschirme heftig im Wind flattern, als würden sie mit Vehemenz den Sommer aus der Stadt jagen wollen. Stühle und Tische scharren missmutig auf den Sommer Terrassen. Schal, Mütze und warme Jacke, wie liebend gerne hätte ich sie noch im Schrank gelassen. Dieser Herbst weckt die Sinne nach diesem ungewöhnlich heißen Sommer und ist beseelt durch die Liebe zu allem Lebendigen. So bleibt mir, dein Kommen mit leiser Wehmut zu akzeptieren. Bei dem ersten Stück Pflaumenkuchen des Jahres und einer Tasse Tee verabschiede ich den Sommer, gefühlt zu kurz, wie immer. Ich war nur für einen kurzen Moment unmutig. Das gestehe ich mir zu

 

Hamburg Dulsberg, Mitte September 22

Der Herbst birgt die Vergänglichkeit und das Bewusstsein der Erneuerung, und ganz viel Hoffnung.

Donnerstag, 15. September 2022

Fundsache

 

Ich habe einen kleinen zauberhaften Gegenstand in den tiefen meines Schrankes wieder gefunden, eine Dosenlupe. Wie sie den Weg zu mir gefunden hat; ich erinnere mich nicht mehr. Ein herzliches Dankeschön an den Menschen, der sie erfunden hat. Für die, die eine Dosenlupe nicht kennen- sie ist der Nachfolger von Marmeladen-oder Weck Glas. Meine Kinder haben früher in den Gläsern ihre Schätze verwahrt, um sie zu beobachten, oder um ein „wildes“ Tier als Haustier zu haben. Darunter fielen: Wattwürmer, Krabben, Käfer, Frösche und vieles andere mehr. Es ist ein Behälter mit Lupe und Luftlöchern, verschließbar. Sie hat den Tieren das Leben gerettet. Durch die Lupe konnten die „Schätze“ meiner Kinder intensiv betrachtet und natürlich auch gefüttert werden. Ihre Kindheit haben sie an der Ostsee verbracht. Von unzähligen Strandnachmittagen haben sie viel mit nach Hause getragen. Sie sind neugierig gewesen, hatten keine Berührungsängste und sie waren gute Beobachter. Bevor sie Forscher geworden sind, waren sie Detektive und Spurensucher. Die große Lupe, die sie dafür benutzt haben, ist verloren gegangen. Ich erinnere mich mit Freude an diese Zeit, wo ihr Leben vor der Tür wichtig gewesen ist, mit einem Meer voller Freunde und Spielkameraden. Vor ein paar Wochen bin ich in der U-Bahn einer Kindergarten Gruppe begegnet. Neben mir war ein „Knirps“ in Plauderlaune; sie waren auf dem Weg in den Tierpark. Er erzählte mir von seinen Haustieren, auf die er gerade nicht aufpassen könne. „Was für Haustiere hast Du denn?“fragte ich ihn. Seine Antwort:“Silberfische“, er hat seine Socken auf sie gelegt, damit sie nicht weglaufen. Ich musste lächeln. Es war ein Kind, daß keine Angst hatte vor Tieren, die sich bewegen. In meinem Umfeld erlebe ich, daß Kinder Ameisen zertreten und vor Angst kreischen, wenn ein Insekt summend und brummend in ihre Nähe kommt. Die Dosenlupe wandert in meinen Rucksack. Vielleicht treffe ich noch einmal auf einen kleinen Helden, der Silberfische bändigt. Er hätte sicherlich Verwendung dafür.

 

Hamburg Dulsberg, September 2022

Woher kommt die Angst der Kinder? So viele Insekten gibt es heute leider nicht mehr, auch kaum Kinder, die noch auf Bäume klettern.

Wie schön!

 

Heute schenken wir uns einige Stunden Unbekümmertheit. Im Frühjahr habe ich Karten für eine Fleet Fahrt in Hamburg gewonnen. Nach einem opulenten Frühstück haben Leo und ich uns auf den Weg gemacht. Wir hegen beide leise die Hoffnung, auf eine nicht so überfüllt Barkasse. Wir reagieren mittlerweile körperlich und seelisch auf achtlose Menschen. Noch ist der Himmel ein verhangen und scheint in einem lichten Grau. Am Schiffsanleger Jungfernstieg angekommen, wird aus dem leisen Grau ein vorwitziges, aber sanftes Blau, die Sonne lässt sich blicken. Der Ticketverkäufer am Anleger ist höflich und guter Dinge. Mit ernster Miene und viel Schalk in den Augen erklärt er uns, warum er die Gutscheine nicht einlösen könne. Sie wären aus diesem Jahr, noch keine zwanzig Jahre alt, damit käme er gar nicht klar. Danke für so viel Humor an einem frühen Sonntagmorgen. Die Barkasse liegt bereit und wir können schon auf das Schiff. Wir haben draußen einen Platz gefunden. Der Motor tuckert leise. Dieselgeruch vermischt sich mit dem Duft von frisch gebrühtem Kaffee .Durch das sanfte schaukeln der Barkasse auf der Alster entsteht die leise Sehnsucht nach einer Kuscheldecke. Für Hamburg und seine Besucher scheint es noch zu früh. Es ist noch ziemlich still in unserer großen Stadt. In der Ferne fährt ein alter Zug mit einem herrlichen Pfeifen über eine Brücke. Das Schiff legt ab und wir fahren durch „das Tor zur Welt“. Es verursacht keine Sehnsucht, ist es doch dunkel und eher klein. Erst, wenn wir die Binnenalster durch die Schleusen verlassen, kann es in die weite Welt hinaus gehen, erzählt uns der Kapitän. Die Sonne wärmt .Ich mag die Langsamkeit und den Perspektivwechsel. Man nimmt die Welt viel intensiver wahr. Die Speicherstadt gleitet an uns vorbei, die Elbphilharmonie, der Mueumshafen; alles wirkt fast so klein, wie im Miniaturwunderland. Nur die Schiffe nicht, an denen wir in unserer kleinen Barkasse vorbei fahren. Es scheinen Riesen zu sein, im Vergleich zu uns. Der Kapitän unterhält uns während der Fahrt geistreich, über den Zauber und die Geschichte unserer Stadt und seinem Hafen. Viel zu schnell dreht die Barkasse bei und wir befinden uns auf dem Rückweg. Eine kleine Geschichte des Kapitäns möchte ich hier noch widergeben. Er verwies auf den kleinen Balkon unterhalb der Uhr am Rathaus. Eine Fahnenstange ragt über ihm hinaus. Seit Jahrhunderten erzählt man sich:“Hängt der Lappen draußen(gemeint ist die Fahne), sitzt der Lump( gemeint ist der Bürgermeister) drinnen“, hat großes Gelächter hervor gerufen. Gefühlt hätten wir noch endlos weiter schippern können, doch leider hatte uns die Realität nach zwei Stunden viel zu schnell wieder.

Hamburg Dulsberg, September 22

Danke Leo, daß Du diese Fahrt mit mir geteilt hast. Hin und wieder bedarf es eine schwarzen Lochs, um zu registrieren, die Freiheit ist zum greifen nah.

Dienstag, 6. September 2022

Wertegemeinschaft

 


Ein Wort, das häufig genutzt wird in unseren Medien, in Zusammenhang mit der EU, oder der NATO. Ich bin so etwas von außen vor. Ich stimme mit vielen Dingen nicht überein und schäme mich für unsere Führungselite. Herr Gorbatschow ist nicht mehr. Wir haben ihm zu verdanken, daß  u.a. die Mauer, die Deutschland geteilt hat, gefallen ist. Unser Olaf erklärt, er ginge nicht zu Beerdigung. Als Grund gibt er an, keine Einladung erhalten zu haben. Ich höre zum ersten Mal davon, daß es dafür Einladungen gibt. Respekt und Anerkennung zollen, ihn in Würde verabschieden, das geht nicht. Meine Erziehung verbietet es mir, unflätig zu werden.

Ich habe den Satz gelesen, daß Politiker unser Land und die Menschen widerspiegeln. Ich bin froh gewesen, nur mich im Spiegel entdeckt zu haben. Die Diskussion über die Literatur von Karl May, angezettelt von einer Minderheit im Netz, entsetzt mich ebenfalls. Der Grund für den Aufschrei: Kulturelle Aneignung. Stellt Euch einmal vor, ein Leben ohne Spagetti, Olivenöl, Antipasti und Döner; auch das ist kulturelle Aneignung. Es lenkt aber ab, von den wirklichen  Sorgen, die ich/wir  als Bürger habe.

Dafür wurden Entlastungspakete geschnürt! In Niedersachsen sind ja bald Wahlen! Die Belastungen spüren Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Für einen Großteil muss noch das Geld „gefunden“ werden“. Ich hoffe auf den Gerechtigkeitssinn bei unseren Politikern. Sie spenden die Hälfte ihre Einnahmen für ihre Bürger. Aber das Haus der Hoffnung ist voller Enttäuschung. Nun ist es heraus und mir geht es besser.

 Hamburg Dulsberg September 2022

Oscar Wilde Zitat: „Sparsamkeit armen Leuten zu empfehlen finde ich  widerlich und beleidigend. Es ist so, als würde man einem Verhungernden raten, er solle weniger essen.“Lasst uns gemeinsame, neue Werte finden, es ist an der Zeit!