Donnerstag, 15. September 2022

Wie schön!

 

Heute schenken wir uns einige Stunden Unbekümmertheit. Im Frühjahr habe ich Karten für eine Fleet Fahrt in Hamburg gewonnen. Nach einem opulenten Frühstück haben Leo und ich uns auf den Weg gemacht. Wir hegen beide leise die Hoffnung, auf eine nicht so überfüllt Barkasse. Wir reagieren mittlerweile körperlich und seelisch auf achtlose Menschen. Noch ist der Himmel ein verhangen und scheint in einem lichten Grau. Am Schiffsanleger Jungfernstieg angekommen, wird aus dem leisen Grau ein vorwitziges, aber sanftes Blau, die Sonne lässt sich blicken. Der Ticketverkäufer am Anleger ist höflich und guter Dinge. Mit ernster Miene und viel Schalk in den Augen erklärt er uns, warum er die Gutscheine nicht einlösen könne. Sie wären aus diesem Jahr, noch keine zwanzig Jahre alt, damit käme er gar nicht klar. Danke für so viel Humor an einem frühen Sonntagmorgen. Die Barkasse liegt bereit und wir können schon auf das Schiff. Wir haben draußen einen Platz gefunden. Der Motor tuckert leise. Dieselgeruch vermischt sich mit dem Duft von frisch gebrühtem Kaffee .Durch das sanfte schaukeln der Barkasse auf der Alster entsteht die leise Sehnsucht nach einer Kuscheldecke. Für Hamburg und seine Besucher scheint es noch zu früh. Es ist noch ziemlich still in unserer großen Stadt. In der Ferne fährt ein alter Zug mit einem herrlichen Pfeifen über eine Brücke. Das Schiff legt ab und wir fahren durch „das Tor zur Welt“. Es verursacht keine Sehnsucht, ist es doch dunkel und eher klein. Erst, wenn wir die Binnenalster durch die Schleusen verlassen, kann es in die weite Welt hinaus gehen, erzählt uns der Kapitän. Die Sonne wärmt .Ich mag die Langsamkeit und den Perspektivwechsel. Man nimmt die Welt viel intensiver wahr. Die Speicherstadt gleitet an uns vorbei, die Elbphilharmonie, der Mueumshafen; alles wirkt fast so klein, wie im Miniaturwunderland. Nur die Schiffe nicht, an denen wir in unserer kleinen Barkasse vorbei fahren. Es scheinen Riesen zu sein, im Vergleich zu uns. Der Kapitän unterhält uns während der Fahrt geistreich, über den Zauber und die Geschichte unserer Stadt und seinem Hafen. Viel zu schnell dreht die Barkasse bei und wir befinden uns auf dem Rückweg. Eine kleine Geschichte des Kapitäns möchte ich hier noch widergeben. Er verwies auf den kleinen Balkon unterhalb der Uhr am Rathaus. Eine Fahnenstange ragt über ihm hinaus. Seit Jahrhunderten erzählt man sich:“Hängt der Lappen draußen(gemeint ist die Fahne), sitzt der Lump( gemeint ist der Bürgermeister) drinnen“, hat großes Gelächter hervor gerufen. Gefühlt hätten wir noch endlos weiter schippern können, doch leider hatte uns die Realität nach zwei Stunden viel zu schnell wieder.

Hamburg Dulsberg, September 22

Danke Leo, daß Du diese Fahrt mit mir geteilt hast. Hin und wieder bedarf es eine schwarzen Lochs, um zu registrieren, die Freiheit ist zum greifen nah.

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