Seit der zuletzt von mir gehörten Bundestagsdebatte ist mir
endlich klar geworden, warum in meiner Stadt dem Gespräch ausweichen, oder die
von ihnen erbetenen mails nicht beantworten. Der Oppositionspartei wurde
vorgeworfen, dass sich ihre Nachfrage wie eine
Überkontrolle wirken und diese als störend wahrgenommen werden. Man mag
von der Opposition halten, was man will, aber Nachfragen gehören zu ihren
Aufgaben. Ich habe gelernt, dass gehört zur Demokratie. Ich bin Rentnerin und
bemerke seit Jahren, dass sich der Ton in den Debatten stark verändert hat,
ebenso das despektierliche Verhalten gegenüber mir, als Bürgerin. Ich komme in
meinem Land nicht mehr vor. Das stimmt nicht ganz, als Steuerzahlerin bin ich
wichtig, auch, wenn gewählt wird, buhlen sie um meine Stimme. Als junge
Auszubildende hatte ich noch Anspruch auf eine Rente in Höhe von 80 % meines
letzten Verdienstes. Heute habe ich noch die Stimme von Norbert Blüm im Ohr:“
Die Renten sind sicher“. Heute erhalte ich die Hälfte. Ich habe viele
Regierungen und Minister der unterschiedlichsten Parteien erlebt. Es ist um
Deutschland, seine Bürger und das Wohlergehen in unserem Land sind wichtig
gewesen. Es ist heute nicht mehr so.
Erst jetzt erschließt
sich mir der neue Begriff „Unsere Demokratie“. Die Moral, die sie als Politiker
von mir erwarten, kann ich mir aufgrund meiner schmalen Rente nicht leisten. Es
geht nicht nur mir so. Ich fühle mich n meinem Land nicht mehr wohl. Der Grund
ist einfach: ich muss mich den Schutzsuchenden anpassen und nicht umgekehrt,
die Gäste an unser Land, dass ihnen diesen Schutz gewährt. Dafür erfahre ich
als älterer Mensch ihre Missachtung, in meiner Kultur, Werten und im
Miteinander. Sie haben ihre Kriege mit in unser Land gebracht. Meine Toleranz
ist aufgebraucht.
In der Schule habe
ich intensiv die Geschichte der Kriege vermittelt bekommen. Es befremdet mich
sehr, dass sich mein Land mit aller Macht, wieder an einem Krieg beteiligen
möchte. Demokratie bedeutet, sich einzumischen. Die große Mehrheit in unserem
Land ist für den Frieden. Wo bleiben die Diplomatie und Vermittlungsversuche?
Mir fehlt auch der umsichtige Umgang mit unseren
Steuergeldern. Ich habe sehr hart dafür gearbeitet und in das Sozialsystem eingezahlt. Ich habe
immer darauf vertraut, dass verantwortungsbewusst mit diesem, von uns Bürgern
erwirtschaftetes Geld, umgegangen wird. Nun wird es ungefragt an andere Länder
verteilt. Welche Perspektiven hat unsere Jugend? Haben sie diese schon einmal
gefragt, wie sie sich fühlen? Ich fordere Sie auf, sprechen sie mit den
Menschen auf der Straße. Das geht ja auch nicht mehr so einfach, denn unsere
Vertreter der Demokratie gehen nur noch mit Polizeischutz auf die Straße. Ich
erinnere mich, dass ich als Kind dem Bundespräsidenten W. Lübke auf der Kieler
Woche begegnet bin. Da gab es noch keine Mannschaftswagen voller Polizisten.
Ich weiß, die Zeiten ändern sich und ich mit ihr. Ich bedanke mich nicht bei
Ihnen, denn Sie haben es geschafft, dass ich keiner Partei mehr vertraue und
auch nicht mehr zur Wahl gehen werde. Ich durfte mit 18 Jahren das erste Mal
wählen und ich bin stolz darauf gewesen, dies tun zu dürfen, durch damals
interessante Debatten im Radio, auch gut vorbereitet, im Sinne für die
Gemeinschaft. In meinem Alter lasse ich mich auch nicht mehr umerziehen. Ich
habe mich schon als Kind gegen alte Erziehungsmaßnahmen á la Preußen gewehrt.
Sie sind auch heute nicht mehr opportun .Erklären Sie ihre Politik, denn nicht
nur ich komme nicht mehr mit. Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum einige
Nachbarländer auf ihre Souveränität pochen und der EU nicht mehr folgen wollen?
Ich erwarte von Ihnen, dass sie Kontakt mit uns Bürgern
aufnehmen und das Gespräch suchen.