Mittwoch, 26. November 2025

Verrückte Tage

In meinem Umfeld hat es gerade doch einiges an Aufregung gegeben. Es ist nicht immer einfach, wenn eine bunt zusammen gewürfelte Truppe, zusammen wachsen möchte. Missgunst, üble Nachrede, Geltungsdrang und Menschen, die heute vergessen haben, was sie dir gestern erzählt haben. So endete der eine Tag mit einem teuren Geschenk für mich und mit der Entschuldigung eines Menschen, der mitteilt, er würde nicht mehr mitmachen. Ich habe in der Ausbildung in Psychologie viel gelernt, aber auf das, was dir begegnen kann, wirst du nicht wirklich vorbereitet. In den letzten Jahren sind die Menschen in diesem Land immer dünnhäutiger geworden. Die apokalyptischen Reiter, die seit Jahren durch unser Land getrieben werden, hinterlassen arge Spuren. Ich bin froh, dass ich mit einigen anderen aus der Gruppe darüber lachen konnte Fassungslosigkeit und Unverständnis haben sich so ihren Weg gesucht. Einer der  Punkte, der uns eint; wir sind die von Politikern vergessenen Bürger. Das werde ich jetzt nicht weiter ausführen. Um Uhr 30 habe ich mich mit gesammelten Decken und Schaffellen auf den Weg  gemacht. Am Barmbeker Bahnhof schlafen viele  Obdachlose. Sie werden immer jünger und es werden immer mehr. Großartige Hilfe erhalten sie nicht. Im Rucksack hatte ich Brot, Tee und Kaffee. Wir haben uns unterhalten und einige haben mir in der Kälte ihre Geschichten erzählt. Oft ist eine Umarmung  eine Reparatur auf kurzem Wege. Ihr Dank beschämt mich. Es bedarf nur weniger Dinge, um ihnen ein Lächeln in die Augen zu zaubern. In meinem Stadtteil muss ich keine Befürchtungen haben, dass hier Gutmenschen unterwegs sind. Das habe ich in St. Georg schon einige Male erlebt. Dort sind sie unterwegs mit der Presse. Wenn die weg ist, haben unsere „Gäste“ ihre geschenkten Daunenjacken angezündet weil ihnen kalt ist-. Sie haben ja eine warme Jacke am Körper und sie wissen, es gibt Nachschub. Den Rentnern in meinem Quartier geht es nicht so gut. Heute bin ich in der Suppenküche Mittagessen gewesen. Hier treffen sich Alleinstehende, um für 3,50 Euro Mittag zu essen. Die meisten haben einen kleinen Topf dabei. Eine Hälfte der Portion wird für den nächsten Tag eingepackt. Der Raum ist mit gespendeten Stühlen aus einem Theater und ausgemusterten Schreibtischen bestückt. Ich gehe dort hin, um einen Klönschnack zu halten. Die meisten von ihnen sind einsam. Ich durfte jemanden glücklich machen. Ich hatte für Emma einen warmen Wintermantel gefunden. Eine Nachbarin wollte ihn in die Tonne werfen. Ich habe den Mantel gewaschen und Emma hat das Geschenk angenommen. Ihren Mantel trägt sie schon seit vierzig Jahren. So richtig gewärmt hat er sie nicht mehr. Sie hat sich sehr gefreut. Diese Suppenküche wird nicht von unseren Gästen besucht. Ein veganes Essen hat es hier noch nie gegeben. Meine über den Herbst gekochte Marmelade und Weihnachtsgebäck habe ich dabei. Die Art von Großmutter Gebäck, das man am besten ohne Zähne zu sich nimmt. So brechen die Besucher ihr Schweigen und kommen miteinander ins Gespräch .Sie lachen sogar miteinander .Der überwiegende Teil ist weit über 80 Jahre alt. Auf meinem Weg nach Hause bin ich dankbar für meine kleine Familie, Freunde und Bekannten. Ich spüre, wie unendlich reich ich doch bin.

 

Hamburg Dulsberg im November 2025

Emma lebt seit 87 Jahren in ihrer Straße. Als ihr Wohnhaus durch Bomben zerstört wurde, ist sie bei  Nachbarn im Haus gegenüber untergekommen. Sie ist nach dem Wiederaufbau in ihr altes Haus zurückgezogen. Von ihren vier Kindern lebt noch eins. Sie will in dieser Wohnung sterben und wird ihre große Wohnung nicht für Gäste räumen.

Montag, 24. November 2025

Der erste Schnee in diesem Jahr

 

In meiner Community, deren Mitglieder verteilt auf das ganze Land sind, haben einige  heute Bilder von der Winterpracht gepostet, die vor ihrer Tür mit allen Sinnen zu erfahren ist. In Hamburg ist es lediglich kalt. Von Schnee, der fallen soll, erzählt der Wetterbericht schon seit Tagen. In einem Telefonat habe ich trotz der späten Zeit, das Lachen der Kinder gehrt, die sich über den Schnee gefreut haben. Nun habe ich fünf Minuten nicht aus dem Fenster geguckt. Siehe da, nun hat sich die Welt um mich herum, auch schön gemacht und ein sauberes Kleid angelegt. Es scheint mit Perlen und funkelnden Steinen besetzt zu sein. Der erste Schnee ist immer etwas Besonderes. Er dämpft die Laute und macht die Welt für eine kurze Zeit friedlich. Ich tanke gerne Frieden auf, denn gefühlt ist die halbe Welt in Unfrieden. Vor zwei Nächten habe ich eine Sternschnuppe gesehen und ihr meinen Wunsch mit auf ihre Reise gegeben. Hoffentlich war ich schnell genug. Schnell habe ich mich angezogen und  bin vor die Tür gegangen. In meiner Straße liegen die Kinder schon in ihrem Bett. Ich wünsche ihnen, dass der Schnee morgen noch liegt, wenn sie aufwachen. Die Fenster in den benachbarten Häusern sind teilweise schon weihnachtlich geschmückt. Die warmen Lichter schicken Zuversicht in den Hof. Ich wünsche meinen Nachbarn, dass sie diese noch spüren, wenn sie in ihren Tag gehen. Statt verkniffener Gesichter, ein Lächeln auf den Lippen; eine schöne Vorstellung. Der erste Advent ist in Sicht. Das ist die Zeit, wo ich die Einkaufstraßen meide. Es sind dann überwiegend genervte Gesichter mit zu vielen Taschen unterwegs, die rücksichtslos schubsen und drängeln. Ich kann diese Spezies nur für eine kurze Zeit verdrängen. Sie tun mir leid, aber nicht im Sinne von mitleiden. Wenn das Fest der Liebe bei ihnen so aussieht, möchte ich kein Teil von ihnen sein. Ich bereite mich auf die Wintersonnenwende vor. Die Zeit bis dahin, wird wie im Flug ergehen. Es ist kalt und meine Bettdecke ruft, Am nächsten Morgen ist die Schneedecke  vor meinem Fenster noch ein wenig dichter geworden .Von den Regenrinnen tropft es. Ein Blick auf das Thermometer zeigt vier Grad plus. Es war ein kurzes Gastspiel des Winters. Er hat den Tag, an dem wir an die Menschen gedacht haben, die nicht mehr bei uns sind, ein weniger leichter gemacht.

 

In der größten Dunkelheit findet jeder, der möchte, ein Licht.

Sonntag, 16. November 2025

November Blues?

 

Morgens trinke ich meinen ersten Kaffee auf meiner Loggia; mittlerweile nicht mehr im Schlafanzug. Heute bin ich eingehüllt in Schal, Mütze und meiner dicken Winterjacke. Jetzt, wo die Bäume ihr Laub verloren haben, hallt das Rufen der Krähen seltsam durch den Frühnebel. Im November dürfen wir uns wieder daran gewöhnen, dass die Geräusche der Stadt, wieder anders klingen. Es ist an der Zeit, sich wieder an meinem großen Vorrat von Kerzen zu bedienen. In meiner kleinen Wohnung sind fast zwanzig Windlichter auf alle Räume verteilt. Der Duft nach Wachs und das Licht echter Kerzen lassen die Welt vor dem Fenster weniger trübe erscheinen. Der Schein der Kerzen nimmt den Sonntagen, die jetzt ins Haus stehen, das Traurige, dass  zu diesem Wetter passt. Eine Kerze brennt bei mir für die, die nicht mehr bei uns sind. All die anderen leuchten für die schönen Erinnerungen, die ich im Laufe des Jahres gesammelt habe. Die letzten Wochen diesen Jahres bergen sicherlich noch etwas Schönes und Unerwartetes. Viele schieben gerade den November Blues. 

Blickt in ein Kerzenlicht. Es macht warm ums Herz, lässt dich unverdorben und neugierig fühlen Das wärmende Licht schenkt euch Hoffnung.

Hamburg Dulsberg im November 2025

Die letzten Tage haben mir so viele Menschen erzählt, wie sehr sie den November nicht leiden können; und erst die Dunkelheit! Sie gehört zur Auskehr des Jahres und zur inneren Einkehr.Ich frage mich immer, warum?