In meinem Umfeld hat es gerade doch einiges an Aufregung gegeben. Es ist nicht immer einfach, wenn eine bunt zusammen gewürfelte Truppe, zusammen wachsen möchte. Missgunst, üble Nachrede, Geltungsdrang und Menschen, die heute vergessen haben, was sie dir gestern erzählt haben. So endete der eine Tag mit einem teuren Geschenk für mich und mit der Entschuldigung eines Menschen, der mitteilt, er würde nicht mehr mitmachen. Ich habe in der Ausbildung in Psychologie viel gelernt, aber auf das, was dir begegnen kann, wirst du nicht wirklich vorbereitet. In den letzten Jahren sind die Menschen in diesem Land immer dünnhäutiger geworden. Die apokalyptischen Reiter, die seit Jahren durch unser Land getrieben werden, hinterlassen arge Spuren. Ich bin froh, dass ich mit einigen anderen aus der Gruppe darüber lachen konnte Fassungslosigkeit und Unverständnis haben sich so ihren Weg gesucht. Einer der Punkte, der uns eint; wir sind die von Politikern vergessenen Bürger. Das werde ich jetzt nicht weiter ausführen. Um Uhr 30 habe ich mich mit gesammelten Decken und Schaffellen auf den Weg gemacht. Am Barmbeker Bahnhof schlafen viele Obdachlose. Sie werden immer jünger und es werden immer mehr. Großartige Hilfe erhalten sie nicht. Im Rucksack hatte ich Brot, Tee und Kaffee. Wir haben uns unterhalten und einige haben mir in der Kälte ihre Geschichten erzählt. Oft ist eine Umarmung eine Reparatur auf kurzem Wege. Ihr Dank beschämt mich. Es bedarf nur weniger Dinge, um ihnen ein Lächeln in die Augen zu zaubern. In meinem Stadtteil muss ich keine Befürchtungen haben, dass hier Gutmenschen unterwegs sind. Das habe ich in St. Georg schon einige Male erlebt. Dort sind sie unterwegs mit der Presse. Wenn die weg ist, haben unsere „Gäste“ ihre geschenkten Daunenjacken angezündet weil ihnen kalt ist-. Sie haben ja eine warme Jacke am Körper und sie wissen, es gibt Nachschub. Den Rentnern in meinem Quartier geht es nicht so gut. Heute bin ich in der Suppenküche Mittagessen gewesen. Hier treffen sich Alleinstehende, um für 3,50 Euro Mittag zu essen. Die meisten haben einen kleinen Topf dabei. Eine Hälfte der Portion wird für den nächsten Tag eingepackt. Der Raum ist mit gespendeten Stühlen aus einem Theater und ausgemusterten Schreibtischen bestückt. Ich gehe dort hin, um einen Klönschnack zu halten. Die meisten von ihnen sind einsam. Ich durfte jemanden glücklich machen. Ich hatte für Emma einen warmen Wintermantel gefunden. Eine Nachbarin wollte ihn in die Tonne werfen. Ich habe den Mantel gewaschen und Emma hat das Geschenk angenommen. Ihren Mantel trägt sie schon seit vierzig Jahren. So richtig gewärmt hat er sie nicht mehr. Sie hat sich sehr gefreut. Diese Suppenküche wird nicht von unseren Gästen besucht. Ein veganes Essen hat es hier noch nie gegeben. Meine über den Herbst gekochte Marmelade und Weihnachtsgebäck habe ich dabei. Die Art von Großmutter Gebäck, das man am besten ohne Zähne zu sich nimmt. So brechen die Besucher ihr Schweigen und kommen miteinander ins Gespräch .Sie lachen sogar miteinander .Der überwiegende Teil ist weit über 80 Jahre alt. Auf meinem Weg nach Hause bin ich dankbar für meine kleine Familie, Freunde und Bekannten. Ich spüre, wie unendlich reich ich doch bin.
Hamburg Dulsberg im November 2025
Emma lebt seit 87 Jahren in ihrer Straße. Als ihr Wohnhaus durch Bomben zerstört wurde, ist sie bei Nachbarn im Haus gegenüber untergekommen. Sie ist nach dem Wiederaufbau in ihr altes Haus zurückgezogen. Von ihren vier Kindern lebt noch eins. Sie will in dieser Wohnung sterben und wird ihre große Wohnung nicht für Gäste räumen.
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