Freitag, 23. April 2021

Sonntag

 

Heute Morgen bin ich von den Strahlen der Sonne auf meinem Gesicht wach gekitzelt worden. Es ist noch still draußen. Ich überlege den ersten Kaffee heute in unserem Hof zu trinken. Während das Kaffeewasser kocht, fällt mein Blick auf da Thermometer. Muckelige 8 Grad; das ist mir dann doch noch zu frisch. So trinke ich meinen Kaffee in der Küche und schaue auf die Linden, di vor meinem Fenster stehen. Im Licht der Morgensonne sieht das grüngelb der Blätter, durch die Sonne beschienen, sehr magisch aus. Leider reicht meine noch leicht verschlafene Energie nicht aus, um eine eins vor die acht zu zaubern. Langsam wirkt mein Kaffee und ich stelle fest, mein Handy blinkt. Es scheinen heute noch mehr Menschen unter seniler Bettflucht zu leiden, lächle ich in mich hinein. Neugierig geworden schaue ich nach.5.Uhr 32; der Rudi war´s .Zauberhafte Impressionen vom Sonnenaufgang, Vogelgezwitscher und von seinem Lagerfeuer hat er geschickt .Ich kann den Geruch von Garten, Morgenluft und Lagerfeuer riechen. Danke Rudi! Schnell hüpfe ich unter die Dusche. Mir ist ein wenig nach O sole mio. Angezogen und mit meinem zweiten Kaffee vor mir, erhalte ich wieder eine Nachricht. Mister Sunshine, unser Stadtteilschamane benötigt Werkzeug. Ich borge es ihm gerne, wenn er in der nächsten halben Stunde vor der Tür steht. Wir treffen uns im Hof. Ein Nachbar gesellt sich kurz zu uns. Er berichtet von seiner über sechzig km Radtour, die er heute schon absolviert hat. Wir zollen ihm unseren Respekt. Es ist zehn Uhr und ich genieße die Stille und den Gesang der Vögel. Die Natur platzt überall auf und Farben und Düfte umgeben mich. Stille und Natur. Ich bin glücklich. Irgendwann ist es so warm, daß ich auf einer Wiese eine Pause mache  und meine nackten Füße  im Gras stehen. Unter meinen  Füssen vibriert es und ich fühle mich, als würde ich aufgetankt. Zitronenfalter fliegen an mir vorbei und am Kanal sehe ich die Köpfe der Pestwurz stehen. Scharbockskraut, Gänseblümchen, der Geruch des blühenden Weißdorns ! Ich liebe den Frühling. Pflanzen und Farben auf der Wiese erzählen mir viele Geschichten und ihr Duft lässt mich wie trunken fühlen. Ich bin nicht allein auf der Welt. Plötzlich dringt lärmend das Geschrei einer Nordic Walking Gruppe unangenehm in meine Ohren, die Frauen mit Stöcken, die Männer mit Hanteln .Frauen brüllen auf die Männer ein. Ich hätte schon längst mit einer Hantel geworfen! Und grinse in mich hinein:“Irgendwann werde ich wegen meiner bösen Gedanken einmal vom Blitz erschlagen.“Ich hätte  liebend gern den Moment der Stille etwas länger festgehalten .Dankbar begebe ich mich auf meinen Heimweg. So bewahre ich die Kostbarkeiten, die ich heute für mich gesammelt habe. Gerade, als ich entschieden habe, daß ich mich das nächste Mal in Rudis Garten einladen werde, wenn nichts bei Rudi dagegen spricht, meldet sich mein Handy. Es ist Rudi. Er entschuldigt sich für die frühe Störung und berichtet: „Er habe die Nacht in seinem Garten verbracht. Die Stimmung, der Himmel und die Natur einfach magisch….und fühle sich, als wäre er in Urlaub gewesen.“ Beim Erzählen strahlt seine  Stimme. Ich freue mich mit ihm. Weiß ich doch aus eigener Erfahrung, wie heilsam eine Nacht in der Natur ist und um ihre Macht und Schönheit.

 

 

 

Hamburg Dulsberg , im April 2021

Meinen Heimweg habe ich beseelt und summend verbracht: On an Sunday morning sidewalk von K. Kristoffersen.

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