Heute bin ich früh aufgestanden. Ein Fischmarktbesuch steht an, am besten als eine der ersten Besucher, dann ist es noch nicht so voll. Meinen Kaffee trinke ich auf meiner Loggia. Ich liebe die Uhrzeit, wenn die Nacht weicht und der Tag kommt. Die Luft ist feuchtwarm, kein Wind und verblassende Sterne sind am Himmel zu sehen. Es ist meistens kein Laut zu hören. Heute ist es anders. Es gibt ein Konzert; ein Schnarch Konzert. Zwischen den Häuserreihen haben wir ein kleines Gärtchen. Die Fenster ab der zweiten Etage sind geöffnet und die Vorhänge flattern leise vor den Fenstern. Das sägende Schnarchen aus einem Fenster ist regelmäßig und kräftig. Leider reicht es nicht aus, um die zwischen den Häusern stehenden Bäume zu fällen. Sie sind sehr mächtig und ragen teilweise bis über das Hausdach. Weiter im Orchester befindet sich ein hohes pfeifendes Schnarchen, das von einem gelegentlichen Rasseln begleitet wird. Das Schnarchen mit Atemaussetzern ist anstrengend. Es belastet mich, denn diese Aussetzer währen so lange, dass ich versucht bin, etwas durch ein geöffnetes Fenster zu werfen, damit weiter geatmet wird. Ich bin scher mit Pfeil und Bogen, aber treffsicher mit Gegenständen, bin ich leider nicht. Höchstwahrscheinlich würde ich ein geschlossenes Fenster treffen. Ich muss Schmunzeln. Mir fällt eine Geschichte ein, die schon länger, als eine Dekade her ist. Als Teilnehmerin eines Mittelalter Marktes haben wir in einem kleinen Tal gelagert. Nach einem anstrengenden Markttag und einem, meist feucht fröhlichem Gelage mit den aufspielenden Musikern, an man auf dem harten Boden besser schlafen. Eines Nachts wurde ich von einem seltsamen Geräusch geweckt. So bin ich mit einem Knüppel in der Hand vorsichtig aus dem Zelt gekrochen. Wir hatten im Vertrauen auf die Götter, keine Wachen aufgestellt. Kein Schatten war zu sehen und so bin ich durch die Zeltreihen geschlichen, immer dem Geräusch nach. Mittlerweile hatte das Geräusch auch andere Schläfer geweckt. Dann war die Ursache gefunden. Es kam aus dem Zelt von Orm. Orm ist eine Seele von Mensch. Trinkt und raucht nicht und als Kämpfer in der Runde immer vorne mit dabei. Von Beruf ist er Landschaftsgärtner und im Winter der einzige Taxifahrer, der Kilt trägt. Die Konfektionen haben für einen runden Wikinger nicht viel Auswahl. Mittlerweile waren wir schon zehn Personen, die versucht haben, Orm aufzuwecken, rufen, schütteln, bewerfen mit Holzschuhen, alles konnte ihn nicht aufwecken. So sind wir unverrichteter Dinge wieder in unsere Zelte gekrochen. Am Morgen wurden wir von ihm geweckt mit der Frage:“Wisst ihr, was heute Nacht los gewesen ist? Ich habe so viele seltsame Sachen in meinem Zelt!
Hamburg Dulsberg im September
Gemeinschaft muss hin und wieder einiges aushalten; man muss es nur wollen.
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