Während meines letzten Kaufhausbesuches wurden meine Blicke vom Anblick der unterschiedlichsten Kalender erschlagen. Ehrlich entsetzen mich Inhalt und Preise des enormen Angebotes Ich registriere, wie eine Kundin für zwei Kalender zweihundert Euro bezahlt.
Unwillkürlich schweifen meine Gedanken in die Vergangenheit ab. In meiner Kindheit habe ich mich über den Papierkalender sehr gefreut. Hinter jedem Türchen hat sich ein liebevoll gemaltes Bild gefunden. Es hat die Vorfreude auf den Heiligen Abend einen Rahmen gegeben. Zu jedem Bild habe ich mir mit meinen Schwestern eine Geschichte ausgedacht, die wir uns abends im Bett erzählt haben. Auf dem großen Bild war meist ein verschneiter Hang zu sehen, im Hintergrund Wald und eine Kirche, über ihr der Stern von Bethlehem. Im Vordergrund hat eine Schneeballschlacht stattgefunden, und es wurde Schlitten gefahren. Die fröhlichen Kinder waren warm eingepackt und hatten rote Wangen.
Auf meine Nachfrage hin, teilt mir die Verkäuferin mit, Kunstkalender würde ich im Fachhandel finden, wo, könne sie mir auch nicht sagen.
Die Ansprüche, um die Wartezeit in Vorfreude auf den Heiligen Abend zu verkürzen, scheinen enorm gestiegen zu sein. Es ist auf jeden Fall keine Kleinigkeit mehr.
Ich erinnere mich an die ersten mit Schokolade gefüllten Kalender, die meine Kinder geschenkt bekommen haben. Ihr Inhalt ist schon vor Nikolaus der Versuchung meiner Kinder erlegen. Sie waren über Nacht, wie durch Zaubermund verschwunden.
Advent bedeutet Ankunft des Lichts. Ich freue mich jedes Jahr auf diese Zeit und auf die Aussicht, auf ein Familientreffen. Es ist geprägt durch gutes Essen, Gespräche und dem gemeinsamen spielen. Seit dem die Kinder erwachsen sind, gibt es keine Geschenke mehr. Es fehlt uns am Willen, unter dem Deckmantel der Liebe, das Spiel von Konsum mitzumachen. Jeder definiert Liebe anders.
Die Kirche wird an diesem Abend auch nicht besucht. Die Worte über das Wunder der Liebe, des Friedens und der Rückkehr des Lichts, von dem auf der Kanzel gesprochen wird, erreicht selten das Herz der Besucher. Du liest auf ihren Gesichtern, dass die meisten schon in Gedanken bei ihren nächsten Terminen sind. In dieser Gesellschaft fühle ich mich nicht wohl.
Ich habe mit einem meiner erwachsenen Kinder schon begonnen, die ersten Weihnachtsköstlichkeiten zu backen. Es gibt kleine Rituale, die wir uns bewahren.
Wir schenken einander Liebe, alle anderen bekommen nur ein Geschenk. Wir fühlen uns miteinander verbunden, und mit allem, was ist. Eines opulenten Weihnachtsbaum und teurer Geschenke bedarf es nicht.
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