Freitag, 10. Oktober 2025

Auf bald

Auf bald!

Ich sehe Mr. Sunshine hinterher, wie er die Straße heruntergeht. Auf dem Rücken einen schweren Rucksack. Mit der linken Hand zieht er seinen Koffer, in der rechten Hand trägt er zwei schwere Taschen. Ich verspüre arge Wehmut in meinem Herzen. Er wandert aus. Er bleibt in Europa. Seine letzten Tage in Hamburg hat er bei mir verbracht. Seinen Entschluss hat er mit Bedacht gefasst. Die Politik unsers Landes und das seit C. Zeiten immer schlechter werdende Miteinander, auch die fehlende Kommunikation und das Unvermögen, sachlich einen Konsens zu finden, haben seinen Entschluss in Ruhe reifen lassen. Jahrelang hat er eine Fernbeziehung geführt. Nun führt ihn sein Lebensweg zu seiner Liebe; eine gute Entscheidung. Mr. Sunshine ist der letzte einer kleinen Gruppe, die mit mir das initiierte Projekt “Stadtteilaneignung“ getragen hat. Welch ein schnöder Name für eine gute Idee. Die Stadtteilaneignung hat sich ausgezeichnet durch Do it yourself Projekte, ohne Kosten zu verursachen, um in ein Miteinander und in Verantwortung zu kommen, damit unser Stadtteil ein schöner und liebenswerter Ort wird. Mr. S. hat sich um Müllsammelaktionen gekümmert. Die hässlichen und vermüllten Betonringe in unserem Stadtteil gesäubert, mit Erde neu befüllt und hübsch bepflanzt. Die Pflanzen dafür habe ich in Geschäften als Spenden eingesammelt. Es sind Waren gewesen, die auf dem Müll gelandet wären. Ich habe die Pflanzen wiederbelebt, er hat sie mit einer Gruppe junger Leute eingepflanzt. Das Beet vor der Frohen Botschaftskirche erzählt noch davon, auch gibt es in einigen Straßen umgewidmete Rasenflächen, die heute Bienenwiesen und kleine Gemeinschaftsgärten geworden sind, nach Absprache mit den Wohnungsinhabern. Es sind Orte geworden, an den Nachbarn miteinander ins Gespräch gekommen sind. Ich habe mich um Nachbarschaftsfrühstück, Kunst und Kultur für Erwachsene, wie Jam Sessions benachbarter Musiker, Kunstausstellungen unter freiem Himmel und ein Kinderkunst Projekt gekümmert. Alles hat die Stadt keinen Cent gekostet, denn die Verantwortlichkeit hat bei den Mitmachern gelegen. Die Freude über die Veranstaltungen ist immer groß gewesen, die Besucherzahl zum Klönschnack und Kennenlernen, hat immer zugenommen. All diese Veranstaltung sind durch Sachspenden von Nachbarn und einigen Geschäftsinhabern unterstützt worden, weil sie die Idee als gut befunden haben. Nach C Zeiten hat das Engagement Vieler aufgehört. Die Pflanzen in den Betonringen wurden entwendet, Parteien und Bürger mit starkem Geltungsdrang haben fast alles zerstört. Jetzt könnte man meinen, wir wären gescheitert. Das sehen wir nicht so. Wir waren lediglich zu früh in unserer Zeit. Es funktioniert, Jung und Alt im Miteinander, ebenso das Kennenlernen unbekannter Kulturen. Es wird in Zukunft wieder ein neues „Labor der Möglichkeiten geben“. Die Samen wurden ausgebracht. Ich danke Mr. Sunshine für das offene und aufrichtige Miteinander. À bientôt  und alle erdenklich guten Wünsche für Deinen Weg.

Hamburg Dulsberg 2025 Lernen von und miteinander, Verantwortung übernehmen, Lösungen suchen und gemeinsam finden, funktioniert. Partizipation ist möglich.

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen