Samstag, 12. Februar 2022

Aroma Therapie

 


Gerade habe ich die Kerzen in meinen Fenstern entzündet. Draußen fallen die ersten Schneeflocken des Jahres. Erinnerungen an die Schlittenfahrten und Schneemann bauen mit meinen Kindern entstehen vor meinem inneren Auge. Wir sind dann schnell vor die Tür gelaufen, das Gesicht in den Himmel gehalten und die Zunge weit heraus gestreckt, um den Winter zu schmecken. Unter der Lupe waren die Schneeflocken schöner, als jeder Edelstein, den meine Kinder in ihren Schatzkästchen hatten. Sollte es tatsächlich zu Weihnachten Schnee geben? Aus dem Backofen entströmt der Duft der ersten Plätzchen, die in dieser stillen Zeit entstehen. Mit Freude schaue ich auf diese ruhigen Tage, die jetzt kommen. Sie Schenken mir die Zeit zur Besinnung und des Frieden finden in mir. Meine Kindersind in Gedanken bei mir. Ihre Freude und ihr Lachen und das ununterbrochene probieren von Teig und Plätzchen. Die kümmerlichen Reste habe ich bis Weihnachten immer wehrhaft verteidigt. Ich spüre noch ihre klebrigen Finger an den Ausstechförmchen. Wenn uns die Süße über gewesen ist, gab es die besonderen Plätzchen:“Lebkuchen mit Salami und Käsebröckchen belegt. Sie haben auch nur an diesem einen Tag richtig lecker geschmeckt. Es ist schön zu wissen, daß meine Kinder dieses Ritual mit ihren Liebsten fortführen. Das Weltgeschehen findet heute ohne mich statt. Das Aroma von Vanille, Kardamon, Zimt, Nelken und Orangen hat sich wie ein samtener Mantel auf meine Seele gelegt und mir Leichtigkeit geschenkt. Ich bin glücklich und freue mich. Einmal habe ich nachts meinen Sohn, damals 5 Jahre alt, in der Küche ertappt. Er hatte den Stuhl auf einen Tisch gestellt, um an die Keksdose auf dem Schrank zu gelangen. Mit Schuld bewusstem Blick saß er auf der Arbeitsplatte, die Dose in seinem Schoß. Mit klebrigem Mund hat er sich sofort verteidigt:“Papa macht das auch immer!“Ich konnte ihm nicht böse sein. Ich merke, daß ich leise summ:“ Es ist für uns eine Zeit angekommen, die bringt uns eine große Freud“. Versuchung und Verheißung stehen vor mir auf dem Tisch. Das erste Blech ist fertig. Mein Widerstand nicht zu kosten schmilzt dahin, wie der Schnee auf der Straße. Schmunzelnd lege ich den Rest in die alte Dose. Reich beschenkt fühle ich mich und sehr dankbar.

 

 Hamburg Dulsberg,27.11.21

Manche Rituale gilt es zu bewahren. Gelegentlich findet man einen Schatz

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