Mittwoch, 23. Februar 2022

Sonntägliche Knödeleien

 


Für das Wetter heute werde ich mir glaube ich Vorhänge anschaffen. Es bleibt da, wo es ist. Ich gehe heute nicht vor die Tür. Nach einem ausgiebigen Frühstück beschließe ich meinen „Schlumpf Tag“ und bleibe im Schlafanzug. Heute erwarte ich keinen Besuch. Wellness und Beauty werden nach hinten geschoben. Meine Schubladen quellen über. Es sind meine sogenannten „Erst mal rein da“ Ablagen. Aussortieren kann auch Spaß machen. Kommen doch Erinnerungen hoch bei alten Briefen und Karten, aufgehobenen Zeitungsausschnitten und Rezepte. Seit Jahren unangetastet und nicht wieder angesehen. Also ab in die Tonne. Ein Rezept, welches ich unbedingt einmal ausprobieren wollte, nötigt mir Respekt ab. Es hat seit 1978 nicht den Weg in meine Küche geschafft. Wegwerfen oder eine weitere Chance einräumen? Für das Mittagessen habe ich auch noch nichts geplant. Ein halber Hefewürfel, den ich seit vierzehn Tagen in meinem Kühlschrank von links nach rechts schiebe, bringt die Entscheidung. Heute gibt es süße Knödel. Ein Hefeteig ist schnell angerührt und ich hege die Hoffnung, daß das kleine Stück Hefe ihrer Triebfähigkeit noch nachkommen kann. Nachdem der Teig eine Stunde im Warmen gegangen ist, schaue ich nach. Nichts ist passiert. Aufgeben ist keine Option, sollen sie doch laut Rezept in Milch und Butter schwimmend, im geschlossenen Kochtopf gegart werden. Der Topf soll vom Herd, wenn es auf dem Topfboden knistert. Das habe ich noch nie gehört. Mit hoffnungsfrohem Grinsen stelle ich den Topf an, denke an den Geruch von verbrannter Milch, Rauchschwaden in meiner Küche, Feuerwehr und tagelangem Topfschrubben. Vorsorglich stelle ich mir die Eieruhr auf die verlangten 25 Minuten. Eine kleine Pause habe ich mir verdient. Wohlgefällig blicke ich in die fast leeren Schubladen. Wo ein Wille ist, sollte kein Sofa sein! Das stelle ich fest, als ich vom Schrillen des Weckers aufschrecke, habe ich doch von Knödeln geträumt, die sich riesengroß durch die Türen meiner Wohnung schieben. Zur Krönung tragen sie die schwarze Eieruhr auf ihrem Kopf. Aufgeschreckt stolpere ich in meine Küche. Es riecht lecker nach Vanille und Zimt. Neugierig hebe ich den Deckel vom Topf. Himmel, sind die riesig geworden. Sie sahen so klein und niedlich aus, bevor ich die Herdplatte anstellte. Jetzt spüre ich förmlich, wie die Hefe in meinem Magen weiter quillt und ich hebe ab und fange an zu fliegen. Sie sehen gelungener aus, als auf dem Foto. Nein, ich kann sie nicht essen, denn ich bin plötzlich satt. Stopp, Film aus! Mitesser sind gesucht. Glückliche Nachbarn opfern sich gern meinem „Back Wahn“ und ich freue mich, als die Monsterknödel Teller für Teller aus meiner Wohnung wandern. Was hat mich da bloß geritten? Das Rezept wandert in den Müll. Ich habe es ausprobiert und nicht gut genug befunden, aber ich weiß jetzt, wie man Knödel macht. Meine Schubladen klebe ist zu, besser ist das.

Hamburg Dulsberg im Februar 2022

Regenwetter und graue Farbe am Himmel treiben gelegentlich seltsame Blüten und für das nächste Mal bitte ein „Halbes Schwein auf Toast“.

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