Stürmische Zeiten
Frühjahrsstürme wüten über Europa. In Hamburg wechselt das Aprilwetter im Minutentakt. Hagel, Schnee und Blitze, begleitet von heftigsten Windböen. Es ist um die Mittagszeit beinahe so dunkel, wie in der Nacht. Es gehen nur Menschen vor die Tür, die unbedingt müssen. Sie werden vom Wind gesteuert. Bis a uf Einzelne, sind die Straßen leer. Der Wind treibt Müll durch die Luft und vergessenes oder verloren gegangenes Spielzeug von Kindern. In einer Zeit, wo so viel über Achtsamkeit mit Allem was ist geredet und geschrieben wird, entsetzen mich die Unmengen, die an den Fenstern vorbei fliegen.Meine Fensterrahmen ächzen, die Bleche am Haus klappern und durch den Druck des Windes auf die Fensterscheiben, dringt ein wenig Regen auf meine Fensterbänke. Das Unwetter verschafft sich Gehör. Das Tosen und Brausen des Windes übertönt die Geräusche der Nachbarn und ihrer Fernseher, die sonst zu hören sind. Der Verkehr ist weitgehend eingestellt. Die Medien rufen dazu auf, das Haus nicht zu verlassen. In meiner Wohnung leuchten über zwanzig Kerzen. Es ist warm und gemütlich. Vorsorglich bin ich im Schlafanzug geblieben und schaue mit einer Tasse Kaffee in der Hand durch mein Fenster dem Treiben auf der Straße zu; glücklich, nicht vor die Tür zu müssen. Der Sturm, der durch viele Länder streift und mit Kraft und Macht seine Spuren hinterlässt, passt zu den Themen die gerade in der Welt aktuell sind, ich nenne sie kurz Macht und Kontrolle. Er demonstriert, daß die Erde uns nicht braucht, auch, wenn die Menschheit aufzuzeigen versucht, daß sie durch ihr Handeln ihr überlegen ist. Morgen soll es eine kurze Verschnaufpause vom Sturm geben, bevor es wieder heftig wird. Eine Zeit zum Be-und Nachdenken, was ist wirklich wichtig in unser aller Leben. Mir haben die Stürme Zeit zum Aussortieren und Aufräumen geschenkt. Diese lästigen Arbeiten habe ich zwischendurch mit guter Musik, laut und schräg singend erledigt. Es sind die Sachen, die ich oft aus Bequemlichkeit auf „später“ verschiebe. So ist doch noch Schnee von gestern im Februar gelandet und nicht liegengeblieben. Ich habe Dinge entsorgt, von denen ich mich zehn Jahre lang nicht getrennt habe. Es fühlt sich gut an und schafft Raum für andere Strukturen.
Hamburg Dulsberg,19.02.22
Dort wo die Angst sitzt, findest Du auch den Mut, wenn Dinge, die nicht mehr wichtig sind, dein Umfeld verlassen
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