An der Lifaßsäule lese ich, Reinhard Mey gastiert in unserer Stadt. Ich sehe, die Spuren der Zeit sind auch in sein Gesicht geschrieben. Ein Anflug leiser Melancholie befällt mich, wenn ich daran denke, wie oft du Gast in meinem Wohnzimmer bist und mich mit deinen Liedern inspirierst, denn sie sind einfühlsam und berührend. Wahrgenommen habe ich dich im Französisch Unterricht meiner Schule, neben Jacques Brel, um Vokabeln zu lernen, als Frederik. Ich erinnere mich noch an Schallplattengeschäfte, in denen ich die Schallplatten hören konnte. Während dessen habe ich abgewogen, ob ich dich mit nach Hause nehme; weil Du es geschafft hast, dich in mein Herz zu singen. Nein, ich möchte nicht zurück in diese Zeit und noch einmal so jung sein. Was ich aus dieser Zeit bewahrt habe, ist das Gefühl von Unbeschwertheit bei Genuss von Klang und beflügelt von deiner Poesie. Dies ist meine Medizin, die ich mit in das Heute nehme, und mir dreimal täglich verabreiche. Das tut mir wohl in unserer Zeit. Du stehst stellvertretend für viele Musiker, die so mein Leben bereichern und bereichert haben. Das Geld für eine Konzertkarte gibt meine Börse nicht her. Das ist nicht arg. Ich lege eine CD in meinen Player, ziehe den Anker ein, hisse meine Segel und lasse mich treiben auf einem Meer von Musik. Danke dafür, auch, daß du in Würde gealtert bist, mich weiter mit hochaktueller Poesie und Musik begeisterst. Ich wünsche dir weiter uneingeschränkte Schaffenskraft.
Hamburg Dulsberg, Oktober 2022
In meinem Stadtteil gibt es sie noch, eine Litfaßsäule, ein wunderbares Relikt aus dem letzten Jahrhundert, mit dem ich aufgewachsen bin. Ich staune jedes Mal über die Vielfalt der Angebote, die es in unserer Stadt gibt-Es ist für jeden etwas dabei, leider nicht immer passend zum Portemonnaie. Dafür können Künstler nichts, das ist meine Meinung.
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