Sonntag, 30. Oktober 2022

Schlussakkord

 

Mit Renteneintritt habe ich mich gefragt, wie ich die Welt für mich und andere schöner machen kann. Was beseelt und bereichert mich? Bereichert es auch andere Menschen? So habe ich mich in meinem Stadtteil Dulsberg ehrenamtlich engagiert. Im ersten Jahr haben knapp eintausend Nachbarn in sechzig Veranstaltungen, meine Angebote wahr genommen. Unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe und Religion haben wir uns dem Thema Gemeinschaft genähert und hatten viel Spaß dabei. Schnell hat sich eine Gruppe bis dahin passiver Nachbarn in ihren alten Strukturen bedroht gefühlt. Diese Gruppe zeichnete sich aus durch Banalitäten, Konsum und Missgunst. Mit üblichen Machtverhalten, wie u.a. Manipulation der Besucher, Intrigen haben sie in ihrer Selbstgefälligkeit, die Veranstaltungen gestört. So habe ich die Veranstaltungen unter den freien Himmel verlegt. Die Teilnehmerzahlen stiegen an, aber Niedertracht und Hass von bequemen Menschen verfolgten mich weiter. Mit den Mitstreitern war kein gemeinsames Wachstum möglich. Es fehlte an Zuverlässigkeit und Durchhaltevermögen. So bin ich in höher geordnete Strukturen gelangt. Diese Liason war eine sehr kurze. Innerhalb kürzester Zeit wurde alles zerstört. Ich bin nicht masochistisch veranlagt. Die meisten scheinen hier in einer Traumwelt zu leben, die sie brauchen, um die schreckliche Welt zu vergessen. Ich bin nicht falsch, nur nicht kompatibel mit diesen Menschen, bin lediglich am falschen Ort. Meine Werte sind nicht ihre.

Meinen Weg und meine Visionen habe ich weiter getragen und verwirkliche sie mit jüngeren Menschen, an einem anderen Ort. Es ist unschätzbar, mit inspirierenden und liebevollen Menschen, die die Sehnsucht nach Kunst, Schönheit und Gemeinschaft in sich tragen. Dieser Stadtteil und ein Teil dieser Leute sind Vergangenheit. Aufgrund dieser gemachten Erfahrungen mit  ihnen bin ich immer noch voller Liebe für sie. Es ist ihr Krieg, nicht meiner. So findet auch mein Projekt „Unter dem Himmel von Dulsberg“ und die “Gespräche auf der Bank“ ohne Wehmut ihr Ende. Ich danke den knapp zweitausend Gesprächsteilnehmern in den letzten zwei Jahren

 Neue Geschichten werden mir erzählt werden, und finden vielleicht ihren Weg auf Papier. Wer weiß, vielleicht wird es auch ein Theaterstück, Stoff habe ich genug gesammelt.

Hamburg Dulsberg, Oktober 22

Das Denken gehört zu den größten Vergnügen der Menschheit.(B .Brecht)

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