Es ist noch früher Morgen. Der Tag hat mich geweckt und scheint mich zu fragen:“Was kann ich für dich tun?“. Die Sonne scheint und lässt die Blätter an den Bäumen in den herrlichsten Farben leuchten. Die Tautropfen glitzern auf ihnen, wie kleine Perlen. Das Thermometer zeigt mir, draußen ist es frisch. Meine Knochen sind noch nicht ganz eins mit mir, also hinaus vor die Tür. Bewegung tut gut. Taschenmesser, ein kleiner Eimer und eine Greifzange sind mit dabei, falls ich Eicheln, Kastanien, Bucheckern oder einen nicht abgepflückten Busch mit Beeren finde. Mein liebster und kostbarster Begleiter ist die Natur. Ich freue mich über das Grün um mich herum. Man kann sehen, wie der Regen der letzten Tage Mutter Erde wohl getan hat. Unsere Erde ist so wunderschön und ich bin ein Teil der Schöpfung, behütet und geborgen. Das Gefühl von Freiheit und Wohlbefinden ist so kostbar. Die heilsame Stille, die sie so früh am Morgen schenkt, und der Frieden, der durch sie in mir entsteht, bereichert mich, macht mich einfach nur glücklich. Spürbar ist die Unendlichkeit der Natur, die gerade in Auflösung begriffen ist; die Unendlichkeit, die bleiben wird, wenn ich nicht mehr auf diesen Pfaden wandeln werde. Die auf Schwierigkeiten ausgerichtete Welt verliert hier an Gewichtigkeit. Ich schweife in andere Gefilde ab. Herz und Seele sind weit geöffnet, für die Schönheit, die mich umgibt, und die bedingungslose Liebe. Je weiter wir uns von unserem Leben entfernen, desto klarer können wir sehen. Meine Füße maulen gerade mit mir, sind sie doch nach dem langen und warmen Sommer wieder in festem Schuhwerkeingesperrt. An einem kleinen, fast verwunschenen Ort mache ich eine kleine Rast. Blätter knistern leise im Wind. Die Sonne kitzelt meine Nasenspitze und wärmt meine Haut. Es erweitert meinen Horizont, wenn ich auf meine innere Stimme höre. Es schenkt mir eine fast vergessene Unbeschwertheit und Gelassenheit. Dankbar und bereichert begebe ich mich wieder auf den Weg nach Hause. Meine Seele ist nicht in Plauderlaune. An den Bänken sammeln sich Menschen, die sich nur flüssig ernähren und eine Gruppe Rentner mit ihren Rollatoren schwärmen in den Park. Ich möchte mir meine Empfindsamkeit nicht zerstören lassen, die unbeabsichtigt passieren würde. Das Glück in mir bewahren. Meine Batterien sind aufgeladen und ich möchte achtsam mit ihr umgehen. Jetzt, im Moment bin ich gerade überschäumend vor Glück. Ich danke dir für das Zwiegespräch Mutter Natur und für deine Insel, die du mir schenktest.
Hamburg Dulsberg, Oktober 22
Mein Eimer blieb scheinbar leer. Er ist angefüllt mit unendlich vielen Kostbarkeiten, die man nur mit dem Herzen sehen kann. Das wusste schon der „Kleine Prinz“
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